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  • Blumentopf – Nieder mit der Gbr

    Von Christian Schmitz-Linnartz

    EMI – VÖ: 21.9.2012

    Was ist denn mit dem Topf los? Die letzten Jahre wirkte das eher wie Altherrenfußball, und plötzlich wieder zack, Vollspann, ins linke obere Kreuzeck. So locker waren sie seit „Großes Kino“ nicht mehr, auch die „Topforismen“, das von ihnen begründete Stilmittel, hauen sie wieder galore raus, als wäre es das Leichteste überhaupt.
    „Wir grillen heut ein Unschuldslamm“ ist ein Satz, der relativ früh im ersten Track fällt. Apropos erster Track, „Antihelden“ ist die lebendigste Faust-in-die-Fresse-Antithese zum Dogma, dass HipHop-Platten ein Intro brauchen, die man seit Jahren gehört hat.
    Und so ballern sie auch weiterhin die Bonmots im Opener raus, dass da kein Gras mehr wächst. Sie parken Luxusschlitten in ihren Bildungslücken, halten die weiße Fahne fest in ihrer Panzerfaust, gehen „all-in” mit ihren Arschkarten, sie versaufen ihr Humankapital, nehmen herzhaft Gewissensbisse, anstatt an Problemen zu knabbern und zerschneiden den gordischen Knoten mit dem goldenen Schnitt. Und dann sind gerade erstmal dreieinhalb Minuten um.
    „Kein Schu draus“ hätte auch „Alles Roger“ oder „das ist doch kein Wunder“ heißen können, und wenn man mal die lustigen namensspezifischen Wortspiele ausklammert, ist das auch eine nach vorn gehende Hammernummer ebenso wie „On Fire“.
    „Ich bin dann mal weg“ hingegen macht richtig schön Fernweh oder befeuert längst überfällige Entscheidungen zur Veränderung.
    Und Roger und Wunder diggen ,Hiob‘. Glaubt ihr nicht? Dann bitte „Alles im Lot“ anhören. Wenn das nicht augenscheinlich ist.
    Was man am Topf auch immer schätzen muss, ist, dass sie ihrer Stadt treu geblieben sind. Das ist keinesfalls selbstverständlich, denn alle Leute in Deutschland von ähnlichem Fame im Rap, sind nach Berlin oder Hamburg abgewandert. Aber dass der Topf München im Herzen trägt, merkt man. Rosie aus dem Sperrbezirk erfährt ihr spätes musikalisches Comeback, da darf natürlich Günther Sigl von der Spider Murphy Gang auch nicht fehlen. Eine weitere Reminiszenz an unsere Stadt (die gern alle anderen wack finden dürfen) ist „3/4“.
    Thematisch ist überhaupt viel drin, eine Ode an den Kaffee und damit einhergehend ein Tee-Diss in „Schwarzes Gold“ oder „Neulich in der City“, das zumindest mich thematisch im Regen stehen lässt.
    Die Beats sind auch abwechslungsreich und allesamt sehr kompakt, die Cuts sind rar gestreut, aber kommen dadurch jedes Mal gut zur Geltung. Und selbst Peter Brugger von den Sportfreunden schafft es, dass sein Gesang (ganz im Gegensatz zum diesjährigen „Highfield“) nicht nervt.
    Kritikpunkte gibt es dieses Mal echt wenig. Allerhöchstens einen kleinen: Schu gewinnt den goldenen Pilawa 2012, den wichtigsten Preis für Frankophobie, wenn er „femme“ „femm“ ausspricht.
    Abgeschlossen wird die Platte mit “Blattgold auf Anthrazit” durch einen Track, dessen Beat Imhotep und Akhenaton die Tränen in die Augen treibt, weil sie so einen immer hätten machen wollen. Und wer ist eigentlich RZA?
    Sie sind wieder raufgeklettert auf den Olymp einer Welt, den sie einst mitkreierten.
    Und wir können wieder müde lächeln, wenn HipHop-Rest-Deutschland über Euch und Münchens Rap-Landschaft vom Leder zieht.

    Wertung: ★★★★★







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