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  • From The Sky down – A documentary film about the making of U2’s Achtung Baby

    Von Christian Schmitz-Linnartz

    Universal Music – VÖ: 9.12.2011

    Wir schreiben das Jahr 1991 und ich zähle noch nicht mal vierzehn Jahre. Wir sind kurz vor dem, was man als den Ausbruch der Neunziger bezeichnen könnte, einem Jahrzehnt, das eine ganze Generation musikalisch prägen sollte, aber nicht jeden gleich, aber es sollte uns weg bringen von dem bis dahin vorherrschenden Spektrum von Pop bis Heavy Metal, denn es sollten uns verschiedene Wellen überrollen wie Grunge, Crossover, Surf-Punk oder aber auch Techno als Massenphänomen. “Nevermind” war nicht mehr weit weg. Zu diesem Zeitpunkt kam man mit Bands wie U2 in Berührung durch Gleichaltrige, die ältere Geschwister hatten, sie schienen als lästiges, weil antiquiertes Relikt der Achtziger. Für die meisten meines Alters war es nicht das Alter, das eigentlich Große einer solchen Band wahrzunehmen.

    Ganz anders bei Maria. Maria hatte eine ältere Schwester und kam eines Tages mit “Achtung Baby” in die Schule. Maria war immer irgendwie reifer und mit einer faszinierenden Bodenständigkeit gesegnet und war die Erste, die von “Achtung Baby” erfasst wurde, als sie mir persönlich zu konventionell war gemessen an dem, was sich gerade entwickelte.

    Warum ich das alles erzähle: weil die Dokumentation den Eindruck erweckt, dass “Achtung Baby” für U2 einen Paradigmenwechsel darstellte. Dies ließe sich auch nur für “The Fly” oder einzelne Arrangements retrospektiv begründen, die damals etwas ungehobelter oder innovativer waren und auch von pubertären Jungen wie mir gemocht wurden.

    Der eigentliche Paradigmenwechsel in Richtung elektronischer Musik sollte jedoch erst mit “Zooropa” erfolgen, einer Platte, die noch in Teilen okay war, aber dennoch die unsägliche Periode der Band mit “Pop” einläuten sollte, bis wir im Oktober 2000 erlöst wurden. Doch dies nur am Rande!

    Es sollte jedoch nicht lange dauern und “Achtung Baby” war auch für mich über jeden Zweifel erhaben, aber weniger aufgrund des innovativen Impetus, der ihr von der Band angedichtet wird, sondern vielmehr dadurch, dass sie einfach eine sehr schöne und teilweise innovative, aber vor allem irische Platte war.

    Denn mich befiel U2 wie auch jeder andere irische Künstler der damaligen Zeit erst durch meinen ersten Irland-Aufenthalt, der auch in diese Zeit fiel: hier ist mein größtes musikalisches Paradoxon beheimatet: für mich war “Achtung Baby” Dublin und sattgrüne Wiesen, für U2 war es Ostberliner Realität, die laut Bono optisch ausschließlich braun war.
    Die Bilder, die der Film zeigt, sind zwar ausdrucksstark, jedoch weniger filmische Überbleibsel der Zeit der Band damals in Berlin, sondern Film- oder Fotorelikte allgemeinerer Natur. Dafür ist die DVD angereichert mit filmischem Material aus der Zeit zu “The Joshua tree” oder “Rattle and hum”, was schön und nicht überflüssig ist, weil es “Achtung Baby” einen Kontext rückt. Allerdings lässt dies gewissermaßen den Filmtitel falsch werden, der nur eine Auseinandersetzung mit “Achtung Baby” ankündigt.
    Im Endeffekt ist dies aber egal, denn der ganze Film wirkt wie eine gut gemachte Collage verschiedener Schaffensprozesse: nicht unbedingt nur, um zwanzig Jahre später Geld zu machen, die Absicht mag durchaus sein, der Platte und ihrem Schaffensprozess ein Denkmal zu setzen, aber vor zwanzig Jahren wurde dafür einfach filmisch zu wenig eingefangen.

    Allerdings kann man den Film auch einfach anders verstehen: als Hörspiel, das visuell untermalt wird. Denn mit dieser Prämisse macht “From The Sky down” mächtig Spaß, mir auch vor allem deshalb, um zu hören, wie sehr sich vier (eigentlich drei) der größten ostirischen Globetrotter der heutigen Zeit ihren Akzent bewahrt haben. Warum drei? Weil Adam Clayton immer der Engländer war, der auch so redete.

    Und weil man die vier in der Doku nur ganz selten sieht, wenn sie etwas kommentieren, könnte man aus dem Film auch noch eine weitere Sache machen: ein Ratespiel, ob Bono, The Edge oder Larry reden. Das funktioniert aber auch nur teilweise, weil die Bezüge zu Person oder Instrument meist stark sind und man Bonos Stimme auch im gesprochenen Wort (das hätte ich nicht gedacht) immer heraus hört.

    Somit sei abschließend gesagt, dass der Film nicht als Dokumentation im normalen Sinn funktioniert, sondern mehr als atmosphärisches Werk für mehrere Sinne. Das klingt jetzt abgehoben, ist es aber gar nicht.
    Denn genau das macht “From The Sky down” zu einem Film für absolute U2-Fans, aber nicht ausschließlich!

    Wertung: ★★★★☆







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