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  • Fatoni – Solange früher alles besser war

    Von Christian Schmitz-Linnartz

    Kopfhörer records – VÖ: 9.12.2011

    Fatoni blieb nur die Flucht nach vorn: es mag Klischeedenken vom Verfasser dieser Zeilen sein, aber seine zwei Existenzen sind nicht zwangläufig leicht zu vereinbaren. Denn neben seiner Existenz als MC von “Creme fresh” ist er einer von- sagen wir- maximal einhundert Leuten, die es in seinem Jahrgang auf eine der renommierten großen Schauspielschulen des Landes gebracht hat. Dass HipHop sich auch langsam seine Bahnen in die Welt der Köpfe der Theatermacher bahnt, zeigt sich u.a. dadurch, dass Fatoni sein Vorsprechen an der Schauspielschule auch mit Rapparts bestritt und bestand.
    Aber eigentlich führt Rap (nicht nur) in der Münchner Theaterszene noch weitgehend ein Schattendasein neben Jazz, Gitarren-, Indie- oder elektronischer Musik, was sich ganz banal in den musikalischen Untermalungen oder Darbietungen der gängigen Theaterinszenierungen zeigt.

    Und anders herum? Die Münchner Rapszene ist für alles, was abseits von üblichen Gangsta- Rapgeschehen passiert und andere Farben miteinbringt, offen.
    Erstens ist Gangsta-Style in München wenig authentisch und noch ein banalerer Grund: eine eher kleinere Musik-, Kunst- und Kulturszene muss sich arrangieren und hat gar nicht den Raum, einzelne in sich geschlossene Kreise zuzulassen.
    Für den Rest der Republik mag das eher angezweifelt werden: denn mit dem überregionalen Erfolg von “Creme fresh” waren auch plötzlich “HipHop-ist-gleich-Straße”-Puristen im Deutschland-Umfeld von “Creme Fresh”. Und da man als Münchner in HipHop-Kreisen ohnehin auch aus den eben genannten Gründen immer um Authentizität kämpfen muss, liegt es nahe, die es die nicht als “real” ansehen könnten, wenn da einer auch Shakespeare, Goethe oder Schiller spielt.
    Wie gesagt, Klischeealarm, aber es hat einen wahren Kern.
    Fatonis beiden Welten gilt es jetzt zu zeigen, dass man sich unglaublich mit ihnen identifiziert, mit ihnen down ist, und “Creme fresh” ist inhaltlich großteils plakativer als das, was der Schauspielschüler Fatoni vielleicht auch machen möchte.
    Dabei sind die Beats fast allesamt von altbekannten Weggefährten, nämlich Dexter, The Gunna, Bustla, Monaco Fränzn, Maniac, Sample Minded und Provo. Wahrscheinlich wollte Fatoni extrem verspulte Beats und hat sie dann teilweise auch bekommen.

    Ein gutes Beispiel für das Herstellen eines Wir-Gefühls beider Umfelder ist “Geh jetzt weg Du redest Dreck”, ein Track, der etwas von Poetry Slam hat (also zumeist eher Rezitativ als rhythmischer Reim) Und Poetry Slam findet in Theaterkreisen mehr zustimmendes Kopfnicken als Rap, das ist Fakt. Aber der Track ist so witzig gemacht, dass er das natürliche Potential zu einem Klassiker hat.
    Der Quasi-Titeltrack “Solange früher alles besser war bleibt alles beim alten” macht diesen Versuch wohl am besten deutlich, intellektuelle Raps und ein jazziger Beat dürften dem Feuilleton gefallen; aber den Heads?

    “Ich habe keine Vorurteile” mit Juse Ju ist ein Track, der diese Suche nach Fortentwicklung des Standpunktes und Standards wahrscheinlich am Organischsten widerspiegelt.
    “Findet mich das Glück?”, ein außerordentlich schönes Kleinod, ist leider viel zu kurz. Aber dahin könnte die Reise gehen, das wäre vielversprechend.

    Beleuchtet man aber alle Tracks unter diesem Licht, passt “Mutterficker von Track” (mit Audio 88 und Yassin) eher nicht in dieses von mir oktroyierte Korsett, aber ist dennoch zu verspult für geradlinige alte HipHop-Geschmäcker.

    Das ist genau das Problem von mir, und da lasse ich mir gern Scheuklappen nachsagen: Rap sollte nur Feulleton-Ambitionen haben, wenn er das Theater in seinem Herrschaftsbereich als Kunstform unterläuft, alles andere sollte doch bitteschön immer HipHop bleiben.

    So verwundert es nicht, dass “Pille danach”, “Jeder 10. Deutsche” oder “Von vorne” hier einfach am besten ins Ohr gehen, da dort die gewohntesten Strukturen das unflexible Ohr umschmeicheln.
    Und “Edgar Wasser” und “Keno” sind einfach zwei der tightesten MCs der Stadt.

    So viel geschrieben und wahrscheinlich gibt es keinen Satz, der das aussagt, was er soll. Aber nachdem ich diese Review schon das vierte Mal neu angesetzt und gelöscht habe, soll dies nun so hier stehen bleiben. Im besten (oder schlimmsten?) Fall hole ich mir das Unverständnis von Fatoni selbst ab.

    “Doch ich halt den Wagen nicht an, aus Angst, dass er dann nicht mehr anspringt, diese Rastlosigkeit treibt mich fast in den Wahnsinn”, rappt Toni und das trifft es ganz gut, denn Einiges auf der Platte ist perfekt, vieles sehr gut; aber vieles auch nur das Weiterfahren eines ungesund klingenden Wagens aus vorher genannten Gründen.

    Wertung: ★★★★☆







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