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  • K.I.Z. am 11.10.11 in der Münchner Tonhalle

    Von Christian Schmitz-Linnartz


    Die allererste Erkenntnis dieses Konzertes war und ist, dass selten so viele Leute auf einem Fleck so leidenschaftlich Texte lautstark mitgerappt und vor allem Hooks lautstark mitgesungen haben.
    Und dieser Umstand schreit förmlich danach, psychologisch traktiert zu werden.

    Denn das Massenskandieren von höchst provokanten Texten ist eigentlich ein so extremer Widerspruch, dass es rauscht.
    Besonders deutlich wurde dies, als alle “Schwarz, rot, gold, wir sind das Volk” bei “Biergarten Eden” mitsangen. Dass dies widersprüchlich ist, liegt angesichts der deutschen Geschichte und dem Hintergrund von K.I.Z. und dem Publikum auf der Hand.
    Grund dafür, dass so unglaublich laut mitgegröhlt und -gefeiert wurde, wird wohl der Umstand sein, dass sich das allgemeine Gefühl, etwas sehr gesellschaftlich Verpöntes wie K.I.Z. zu hören und- vor allem- zu verstehen und unter seinesgleichen zu sein, eine Woge des Gemeinsinns auslöste.

    Aber verstehen es denn auch alle, oder verstehen es alle so, wie ich es verstehe? Bei mir hat sich während des Konzerts teilweise die Arroganz eines Mittdreißigers eingestellt, dass die teilweise überraschend jungen Besucher nur das Plakative erfasst haben. Wahrscheinlich traue ich der Jugend einfach zu wenig zu.


    Apropos Jugend: das Konzert startete tatsächlich vor 20 Uhr und laut eines Zettels am Einlass, der dem Jugendschutz Rechnung trug, durften 14-jährige ohne Begleitung rein. Und demgemäß war der Altersschnitt entgegen meinen Erwartungen auch relativ niedrig.
    Ein Konzert, an welchem die Hauptband- abgesehen natürlich von “Tokio Hotel” und dergleichen- vor 20 Uhr beginnt, ist in München und wahrscheinlich jeder anderen größeren Stadt so selten wie ein Bauer, der mit einem Traktor versucht, die Fußgängerzone umzupflügen.

    Was das Konzert als solches betrifft, hatte ich als leichter Pessimist im Vorfeld einige Szenarien vor Augen, was folgen müsste, um mir das Konzert zu vergällen. Denn rein musikalisch gibt es K.I.Z. und K.I.Z. Es gibt die K.I.Z. der letzten zwei Alben und es gibt die von “Hahnenkampf” und “Das RapDeutschlandKettensägenMassaker”. (“Böhse Enkelz” genießt einen Sonderstatus und sei hier mal außen vor gelassen.) Die beiden Bands ähneln sich nicht sehr, denn wo heute die Liebe auch für’s musikalische Detail wohnt, waren sie damals plump bis unerträglich jiggy. Glücklicherweise war ein Großteil der Tracks von den letzten beiden Platten.

    Doch nun von Anfang an: K.I.Z. legten los wie die Feuerwehr, und zwar bildlich ziemlich stimmig mit drei trag- und schwenkbaren Trockeneispumpen und weißen Skimasken. Es versprach, ein dreckiger Abend zu werden und es ging auch gleich sehr dick los. Leider waren nach zwanzig Minuten schon “H.I.T.”, “Selbstjustiz” und “Einritt” durch, die zumindest ich zugunsten einer guten Dramaturgie gegen Ende oder im Zugabenblock erwartet hätte.
    Anscheinend bin ich ein so extremer Freund von “Sexismus gegen rechts”, dass mich die Tracks wie “Heiraten” und “Fremdgehen” zumindest live nicht kicken konnten, drum erst mal’n Jetränk holen, wa?
    Ganz anders bei den anderen gut 2000 Leuten in der ausverkauften Tonhalle.
    Hier durfte ich erstmals ein Phänomen beobachten, dass so bei einem Konzert wahrscheinlich noch nie vorgekommen sein dürfte: je jünger die Kids waren, umso mehr feierten sie die ganz alten Tracks wie “Das Rapdeutschlandkettensägenmassaker” oder “Spasst”.
    Sie forderten bis zuletzt “Hurensohn” oder gaben bei “Hölle” alles. Diese zwei Tracks sollten dann gegen Ende nochmal einen Schulterschluss in Bezug auf das anfangs schon erwähnte Mitgröhlen zwischen allen Altersgruppen hervorrufen. Ebenso war die Stimmung bei “Durch die Scheibeboxxer” oder “Raus aus dem Amt” mit eigens eingeflogenen MC Motherfucker großartig. Überhaupt wurde fast jeder Track von “Urlaub für’s Gehirn”, aber auch “Ringelpiez…” oder “Klopapier” dargeboten und gefeiert, “Doitschland schafft sich ab” logischerweise fast nur von Männern.
    Der Endvierziger, der fast regungslos vor mir stand, wahrscheinlich Polizist oder Verfassungsschützer, hat bestimmt noch nie etwas so Befremdliches erlebt.
    Er blieb auch noch regungslos bei den paar Reimen über I.R.A., PLO, Che Guevara und der Forderung nach Kommunismus, vielleicht doch kein Reinheitswächter.

    Nach knapp zwei Stunden war das Ganze durch, “Hurensohn” auf den Beat von “Hard knock life” sollte die Show beenden.
    Und die ganzen Teens und Früh-Twens hatten weitestgehend so erfüllte und glückliche Gesichtsausdrücke, dass ich Herrn Reinheitswächter (sofern er einer war) gern gefragt hätte, ob er meint, dass K.I.Z. wohl eher Leute glücklich machen oder zu Verbrechern. Ich weiß die Antwort!







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