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  • Samy Deluxe – SchwarzWeiss

    Von Christian Schmitz-Linnartz

    Capitol (EMI) – VÖ: 29.7.2011

    Letztlich habe ich in der “Casper”-Rezension ohne weiteren Kommentar Samy angeführt, als großen alten Recken mit dem Beständigkeitssiegel. Da hatte ich “SchwarzWeiss” schon gehört und war ihm nach dem ersten Durchlauf wohlgesonnen.
    Ich nehme gleich vorweg, dass sich daran auch nach Durchgang drei und vier nicht viel geändert hat.
    Was mich nur erstaunt hat, war sowohl meine Erwartungshaltung, die dieses Album betrifft, als auch die grundsätzliche Erwartungshaltung an neue Alben der altgedienten deutschen HipHop- Garde.
    Denn historisch gesehen war in den letzten Jahrzehnten in den verschiedensten Musiksparten bei vielen Musikern nach fünfzehn spätestens zwanzig Jahren die Luft raus.
    Samy rappt am Anfang von “Ego” selbst etwas von 18 Jahren, also sollte man meinen, die Gesetze des Marktes würden langsam ihre Wirkung entfalten. Aber im deutschen HipHop scheinen andere Gesetze zu wirken. Schon Dendemann belehrte uns eines Besseren. Und auch Samsemilia, seit jeher als einer der besten deutschen Freestyler gefeiert, lässt auch im geschriebenen Text nichts anbrennen. Lässt man die beiden Intros einmal weg, von denen jenes, welches auch so heißt, eigentlich schon ein Kurztrack ist, fängt Samy schon mit “PoesieAlbum” an, deutschem HipHop im eher klassischen Sinn neues Leben einzuhauchen, ebenso im schon erwähnten “Ego”. “Eines Tages” schlägt musikalisch ganz andere Töne an, obwohl es thematisch an “Ego” anschliesst und offenbart, dass Herr Sorge im angenehmen, nicht zu hochtrabenden Sinn immer noch im Selbstfindungsprozess verhaftet ist. Sowohl dieser Track als auch “Keine wahre Geschichte” sind Schuld daran, dass ich die Platte auch in der Rubrik “Songwriter” aufgeführt ist- und das meine ich im positivsten Sinn. “Vater im Himmel” ist der Nachfolger von “Vatertag” unter anderen Vorzeichen (aber bitte anhören, mehr soll nicht verraten sein). Alle diese Tracks sind höchst sympathisch und zeugen von einer sehr intakten Selbstreflektion.

    Aber damit jetzt nicht der Eindruck entsteht, dass “SchwarzWeiss” durchgängig intellektuell verkopft ist, mitnichten!
    Alle HipHop-Geschmäcker werden bedient, “Rap-Genie” wummert und klopft höchst elektronisch um die Ecke, “Wer wird Millionär”, “Doppelt VIP”, “Hände hoch” oder “Allein” haben zeitlose Beats mit hohem Wiedererkennungswert, die live nach einer Eingewöhnungszeit vom ersten Takt an gefeiert werden dürften.

    Aber Samy 2011 gönnt sich dennoch alle Freiheiten, die ihm aufgrund seines Status’ zustehen, neben den schon erwähnten “Songs” zum Beispiel ein Country-Intro bei “StraßenMusik”. Außerdem singt Samy oft seine Hooks, und entgegen der Meinung eines Bekannten von mir, seines Zeichens selbst MC, der dies nur als Singsang bezeichnetete, singt Samy objektiv gesehen richtig gut, und das nicht nur, wenn man “50 Cent” als Maßstab anlegt.

    Überhaupt hat mich diese Meinung so erschrocken, dass ich mir nicht mehr sicher war, ob wir zwei dieselbe Platte gehört hatten. Also die “SchwarzWeiss”, die ich im Ohr habe, ist mehr als ordentlich, also gut.
    Allerdings haben die wenigsten Texte konzeptionelle Innovationen oder neue Styles zu bieten, weshalb ich diese Enttäuschung ein wenig verstehe. Aber HipHop-Kulturpessimisten machen sich und anderen immer das Leben schwer; mich flashen viele der Beats und machen mir das sommerliche Leben leichter.

    Wertung: ★★★★☆







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