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  • Okkervil river – I am very far

    Von Christian Schmitz-Linnartz

    Jagjuwar/ Cargo – VÖ: 6.5.2011

    (Vermerk: ja, ich habe damals “The Stage names” ziemlich gelobt. Warum, ist mir heute nicht mehr ganz klar.)

    Denn das Problem, dass ich mit “Okkervil River” habe, ist vergleichbar mit jenem, welches ich mit einem jeden habe, der behauptet, konsequenter Pazifist zu sein. Warum, mag manch einer fragen.

    Ich will versuchen, es zu erklären:
    Der Pazifist behauptet von sich, Gewalt zu verabscheuen und bisse sich eher ein Körperteil ab, als jemand anderen körperlich zu beeinträchtigen.

    Damit verleugnet der Pazifist nicht unerhebliche menschliche Eigenschaften wie Wut oder Abscheu und die daraus erwachsenden Triebe (die in der Evolution durchaus ihre Daseinsberechtigung haben und hatten) und bezeichnet die Anderen gleichsam- zumindest konkludent- als Barbaren.

    “Okkervil river” sind die, die vor einem bewaffneten Massenmörder stehen und ihm sagen, dass es nicht schön ist, Menschen umzubringen, weil die doch eines schönen Lebens beraubt würden, anstatt ihn überwältigen zu wollen und seiner habhaft zu werden.

    Natürlich werden diese Assoziationen durch die Musik transportiert, da ich sie aber leider nirgendwo konkret festmachen kann, sind und bleiben sie weniger etwas Greifbares als vielmehr ein Gefühl.

    Dennoch will ich es versuchen:
    “Okkervil River” verachten die Schroffheit der richtigen E-Gitarre oder der kehligen Stimme. Das macht (bei aller grundsätzlichen Liebe) ihre Musik vor allem zu einer Hippy- Weicheier-Musik. (Der Plattentitel spricht schon Bände.)
    Dieses Weicheier-Ding liegt nicht am gemischtgeschlechtlichen zweistimmigen Gesang, nicht an Will Sheffs Stimme per se und nicht grundsätzlich an der Instrumentierung. Auch sind durchaus schöne Melodien auf “I am very far” vertreten.
    Aber es gibt Bands, die mehr Pepp und mehr Ausbruch in ihrer Musik haben, obwohl ihre Musik qua definitione (von außen) eigentlich ruhiger sein dürfte, auch da sie zartere Instrumente benutzen, “Mumford & Sons” wäre so ein Fall.
    Ich möchte nicht missverstanden werden: nichts gegen irgendeine Spielart von Musik, die eher friedfertig und versöhnlich, sogar schmalzig daherkommt; nur bei “Okkervil River” entsteht oft das Gefühl, dass man die Musik aus lauter eigener Angst vor Grobheit so hält. Die Band scheint mir kollektiv Angst vor Metal, Hardcore und Punk zu haben.

    Und dort, wo schroffe Gitarren mal zum Zug kommen, sind sie zaghaft oder werden gleich ironisch konterkariert. Dabei sind sie schon besser geworden als anno 2007, was Ausbrüche betrifft, auch deshalb ist die Platte nicht wirklich schlecht, gleich zu Beginn hauen sie mit “The valley” ein wenig auf die Kacke, aber auch irgendwie komisch, weil irgendwie mechanisch; dieser Band wohnt irgendwie nicht das Gefühl inne, auch wenn Will Sheff sich durchaus öfters heiser “davidbowiet”.

    Apropos “ironisch konterkariert”: deshalb muss ich die ganze Zeit irgendwie an die Typen aus der Geschichte “Ironisch gebrochen” aus dem ersten “Harmut & ich”-Buch von Oliver Uschmann denken. Warum, ist schwer zu sagen, auch dies ist wieder mehr ein Gefühl bzw. ein Bild als greifbar Vergleichbares.

    Vielleicht kann mir ja jemand nicht nur zustimmen, sondern sogar meine Assoziationen nachvolziehen, meine Lieblingsband werden “Okkervil River” zumindest nicht. Es sei denn, sie lassen sich therapeutisch verordnen, Massensexorgien samt Erniedrigungshandlungen mit lauter Slayer-Musik zu praktizieren; dann könnten “Okkervil River” und ich auf der darauf folgenden Platte noch Freunde werden.

    Wertung: ★★★☆☆












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