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  • Doomtree – Doomtree

    Von Christian Schmitz-Linnartz

    Doomtree records – VÖ: 1.6.2009

    Das ist für alle, die nicht so recht glauben können, was in letzter Zeit aus dem HipHop-Mutterland als vermeintlicher Maßstab zu uns herüberschwappte. Das ist für alle, die immer schon heiß waren auf HipHop aus den Staaten, der sich abseits des gängigen Bling-Bling mit fetten Autos bewegt. Für alle, denen die “Cunninlynguists” mit der Zeit textlich zu schwerfällig wurden, für alle, die nostalgisch auf frühere Platten von “Atmosphere” äugen.

    Es hat mich quasi verdreht vor Freude, als ich das anhörte, was ein Freund letztlich anpries. Ich ging heim, schaute mir an, was Youtube so bot von dieser Crew; zum Glück gab es da Einiges, zumal die Platte auch schon fast zwei Jahre alt ist. Inzwischen findet man auch schon einige Solo-Releases der Mitglieder.
    Doch zurück zu jenem Abend: Im Handumdrehen war die Platte bestellt, die deswegen nicht gerade billig ist, weil sie komplett im Eigenbau entstand und vermutlich auch nicht die besten Vertriebswege hat.

    Doch eins nach dem anderen: der erste Eindruck, der durch das Video “Drumsticks” entstand, war schon umwerfend natürlich bodenständig, wie HipHop nur noch selten ist. Ein Kollektiv, bestehend aus neun Mitgliedern, die sich im Videoclip auf Fahrrädern und nicht in den eben schon zitierten fetten Schlitten durch Minneapolis (?) bewegten und in einem lockeren Wechsel unaufgeregt und doch extrem tight rappten, dass es eine wahre Freude war.

    Auch die Zusammensetzung des Kollektivs, in dem sich mehr weiße MCs befinden und auch eine Frau, die nicht nur dekorative Aufgaben wahrnimmt, sondern gut rappt und singt, ist angenehm weit weg vom Klischee.
    So ein Kollektiv ist meines Erachtens ohnehin die beste Art und Weise, um Longplayer zu schaffen, weil es einfach die meisten Freiheiten lässt. Wer gerade auf den Beat flasht und Reime hat oder eine Idee, möge spitten. Natürlich haben so nicht alle gleichviel Anteil am Release, aber das ist in einem guten Kollektiv auch nicht wirklich wichtig.

    Was im Fall von “Doomtree” herausgekommen ist, ist- Intro und Interludes abgezogen- ein 18 Tracks starkes Manifest der Quintessenz einer Kultur, deren wesentliche Elemente nicht nur hierzulande immer mehr verloren gehen.

    Auf “Doomtree” einzelne Tracks herauszuheben würde der Platte nicht gerecht und würde auch den Rahmen sprengen, zu bemerkenswert und abwechslungsreich sind die meisten Tracks.

    Obwohl 2011 jetzt schon ein Jahr ist, das reichhaltig an guten Platten ist, habe ich lange Zeit nicht mehr eine Platte derartig meinem Umfeld ans Herz gelegt. Word!

    Wertung: ★★★★★







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