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  • Biohazard – Urban Discipline

    Von Christian Schmitz-Linnartz

    Roadrunner Records – VÖ. 1992

    “Come on God, answer Me. For years I’m asking you Why?
    Why are the innocent dead and the guilty alive?
    Where is Justice? Where is Punishment?
    Or have you already answered? Have you already said to the world:
    Here is Justice! Here is Punishment! Here, in Me?”

    Es läuft mir immer noch ein kalter Schauer den Rücken hinunter, wenn ich diese Worte höre. Nicht wegen des mäßigen Films mit Dolph Lundgren, aus dem sie “Biohazard” 1992 entlehnt haben, sondern wegen des Songs, den sie einleiten und der darauffolgenden Gitarrenakkorde. Ich weiß heute noch genau, wie und wo ich dieses Video das erste Mal gesehen habe und sich alles schlagartig verändert hat in mir, doch dazu gleich mehr.

    Erstmal möchte ich klarstellen, dass auch die Würdigung dieses Albums in der Rubrik “All Time Classics” zum jetzigen Zeitpunkt keineswegs willkürlich ist, denn Biohazard bringen irgendwann in diesem Frühjahr ein neues Album in Originalbesetzung auf den Markt.

    Viel mehr ist noch nicht bekannt, denn man hüllt sich in Schweigen, aber allein diese Nachricht lässt einen alternden Mann wieder fünfzehn sein und jedem zurufen: “Rage against the machine, schön und gut, aber es gab eine frühere Initialzündung des Crossovers, die hieß “Urban Discipline”.
    Zugegeben, rein musikdogmatisch waren zu diesem Zeitpunkt schon einige Nummern auf dem Markt, die E-Gitarren-Elemente mit Rap verbanden, seien es die “Red Hot Chili Peppers” mit viel Funk oder vor allem “Faith no more” mit dem revolutionären “Epic”.

    Dennoch, “Urban Discipline” hatte etwas Neues, etwas, was dem vorherrschenden Grunge mit seinen fettigen ins Gesicht hängenden Haaren und dem Holzfällerhemd mit dem Baseballschläger mit voller Wucht frontal ins Gesicht schlug.

    Es war eine Verlagerung des New-York-Hardcores ins akzentuiert Rhythmische. Die erste Nummer lassen wir einmal dezent beiseite, dann aber kommt das eben schon erwähnte “Punishment”, eine Dampfwalze, die vor allem ein Schlagzeug präsentierte, wie es- zumindest mir- noch nie untergekommen war. Da war ein Typ, nur bestehend aus Haaren, der im Video sein Schlagzeug bearbeitete (sein einziges Vorbild dürfte “Animal”, zu deutsch “Tier” aus der Muppetshow gewesen sein): im Intro des Songs immer schneller werdend und auch danach mit einer schier unglaublichen Präzision. Heut noch ist Danny Schuler für mich der beste Schlagzeuger überhaupt, das darf auch gern jeder hören.

    Nach heutigen Maßstäben ist “Urban Discipline” sehr schlecht produziert, aber einerseits kannten wir es Anfang der Neunziger nicht viel besser, andererseits war es aber auch sowas von scheißegal.

    Denn Biohazard hatten Attitüde und waren so real und Straße (Brooklyn) wie nichts zuvor: lang bevor “50Cent” mit seinen im Körper befindlichen Pistolenkugeln Öffentlichkeit bekam, gab es schon einen Gitarristen namens Bobby Hambel, der ein schiefes Gesicht hatte, weil er auf New Yorks rauen Straßen schon mit Eisenstangen bearbeitet wurde. Der gesamte Oberkörper des (einen) Shouters Evan Seinfeld war fast komplett tätowiert. All das imponiert einem Fünfzehnjährigen, der weder mit der ganzen unpolitischen, apathischen Techno-Bewegung noch dem sich selbstbemitleidenden Grunge etwas anfangen konnte.

    Doch zurück zur Musik: wie schon gesagt, gab es diese Passagen mit einer Rhythmik, die eindeutig aus dem Rap kamen, es gab diese großartigen peitschenden Passagen, ein unglaubliches Schlagzeug (das Intro aus dem Titeltrack oder aus “Mistaken Identity” soll Danny Schuler mal einer nachmachen), und Passagen, in denen die Herren Graziadei und Seinfield versuchten, zu singen, faktisch war es aber eher singgröhlen, selbst bei dem ruhigen Anfang von “Loss”.

    Am Ende will ich aber alle falschen Hoffnungen wegwischen, wenn dies jemand Jüngeres liest, der damals nicht dabei war und aufgrund meiner Ereiferungen meint, die Platte unbedingt hören zu müssen, “Urban Discipline” ist- wie schon erwähnt- schlecht produziert und sehr rau.

    Wer aber damals jung sein durfte und seine Identität suchte zwischen Grunge und Technojugend, könnte bzw. wird mich sogar verstehen: mir hat diese Platte damals mein Verhältnis zur Männlichkeit definiert, und in gewisser Weise tut sie das immer noch.

    Wertung: ★★★★★







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