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  • The Streets – Computers and Blues

    Von Christian Schmitz-Linnartz

    Warner Music – VÖ: 18. Februar 2011

    Verdammt, ich habe leider gerade nicht das Gesamtwerk von Mike Skinner vor meinem geistigen Ohr. Das ist angesichts der medialen Statements, dass Album Nummer Fünf das Letzte sei, ziemlich verwerflich, zumal die Laudatio für einen Lebenswerk- Award immer gesamtwerkumspannend und pathetisch sein muss.

    Auch ist keinem zu entlocken, warum Mikeyboy eigentlich aufhört. Im Zweifel ist dies eine Marketing- Finte, also nehmt Euch in Acht, Feinde Odysseus’!

    Hinzu kommt noch, dass “Computers and Blues” diese Finte gar nicht nötig hat. Somit ist es absolut nicht nachvollziehbar, was jemand just heute in der Musikpresse unkte: “Computers and Blues” wäre das einzige Album von “The Streets”, das- ich zitiere- “weder inhaltlich noch stilistisch echte Neuigkeiten bietet”; die Rezension kommt dann aber noch zu einem positiven Resumée.
    Die andere Meinung in diesem Review-Clash in der “Visions” gibt wenigstens zu, ihn immer schon nervig gefunden zu haben.
    Dann doch ma’ bitte Kopp zu, der Herr, aus denselben Gründen schreibe ich auch nicht über die Kaiser Chiefs und die, die sich in ihrem Fahrwasser suhlen.

    Denn dass Herr Skinner nicht Roots Manuva, nicht Dizzee Rascal und auch kein Lyricist im klassischen Sinn ist, liegt auf der Hand und war immer klar. Und ob er ein Gassenpoet ist oder war, der mit einer Nonchalance oder sogar rhythmusfremder Gleichgültigkeit über den Beat gesprochen hat, ist auch so egal, wie wenn in Madagaskar ein Chamäleon furzt.

    Es stimmt ja, dass sich Mike Skinner mit “Computers and Blues” nicht neu erfunden hat, aber das ist auch egal, denn das Mögen des Akzents und der Attitüde von Mike Skinner war schon immer ein Statement und polarisierend, seine Feinde galten meist zurecht unter HipHop-Heads als europafeindliche innovationssresistente, hirnamputierte Amerika-romantisierende- Bling-Bling-Plastik-Gangstas.

    Und als ob das nicht schon reichen würde, ist das fünfte Album von “The Streets” das Fokussierteste und hat etwas, das in der heutigen Musiklandschaft selten ist, nämlich Atmosphäre, Stimmung und positive Sentimentalität.
    “Soldiers”, “We can never be friends” oder “Roof of your car” kann man auf Endlosschleife hören, weil die Arrangements unwiderstehlich sind und die Refrains einfach von einem Besitz ergreifen.
    Wer das gesangliche Pathos nicht so mag, wird eher bei “Blip on a screen” oder “Abc” sein Seelenheil finden, bei denen Mike so etwas tut, was “Rappen” ziemlich nahe kommt. Auf den Punkt “rapptsingt” er nur dann, wenn er von einem Backgroundchor unterstützt wird oder wenn er u.a. mit Geigen- oder Gitarrensamples harmonisieren muss. Dann wirkt das aber so, als wären diese Samples nur zu diesem Zweck geschrieben worden.

    Womit man beim nächsten Pluspunkt wären, dem Abwechslungsreichtum:
    kein Beat gleicht dem anderen, die Arrangements sind sehr ausgefeilt, damit sie so simpel wirken; in “Omg” wird zur Hook einfach mal das Tempo und komplette Stimmung gewechselt, als gäb’s nix Anderes.
    So wird selbst dem Timbalandigsten aus Übersee ein wenig gezeigt, was man beim Producen so alles für Möglichkeiten hat.

    Und so wird nicht jeder Track auf dieser Platte jedem gefallen, was aber Konzept sein dürfte, denn wer Blues mag, hat wahrscheinlich auch kein Computer-Faible.
    Aber jeder wird seine Lieblingstracks auf der Platte haben, für den er sich aber annähernd die Hand abhacken ließe, so voll Herz ist “Computers and Blues”.

    “The thing that I love most is tryin’ to kill me” glauben wir Dir somit nicht, Mike.

    Und auch “Lock the Locks” sollte nicht programmatisch sein, es sei denn, Mike Skinner hat mit diesem Album sein ganzes Pulver verschossen.
    Denn- um mit Neil Young abzuschließen- “it’s better to burn out than to fade away”.

    Wertung: ★★★★½







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