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  • Ode an den physischen Tonträger

    Von Christian Schmitz-Linnartz

    Letztlich erboste mich ein Artikel, in welchem sich jemand Anderes über einen Zustand erboste: nämlich, warum MP3- Alben, die man sich herunter lädt, um Einiges billiger seien als CDs. Ich rastete schier aus in meinen eigenen vier Wänden, wo mich keiner sieht geschweige denn hört: “Is doch logisch, bei denen haste ja nix in der Hand!” hörte ich mich aus der Vogelperspektive rufen.

    Zum Zweiten schrieb ich gestern von Rage entfesselt eine E-Mail an einen Promoter, der mir mitteilte, dass er mich doch nur mit einem MP3- Download-Link anstatt mit einer (schon zugesagten) CD bemustern könnte. Zum Glück drückte ich nicht auf “Senden”, sondern rauchte erst eine Zigarette, ließ den Frust verfliegen und drückte dann nur auf “Speichern”, denn sie alle würden die Wut nicht verstehen, aber ganz vernichten wollte ich dieses Dokument meiner Wut nicht.

    Rein rational ist es auch kaum bis wenig zu erklären, was mich so rasend macht an der Tatsache, dass alles nur noch online geteilt wird und die CD ausstirbt:

    -Denn das Internet bietet alle Informationen, die ein CD-Booklet auch böte.

    -Auch das Wesen eines Platten-/ CD-Covers wird nicht verschwinden, da alle Interesse daran haben, dass Platten auch optisch identifizierbar bleiben und die MP3- Player dies auch optisch wiedergeben.

    -Und mit einem Download hat man die Musik gleich dergestalt vorliegen, dass man sie sofort ver- oder bearbeiten kann.

    Um also dem Ganzen auf den Grund zu gehen, muss ich Sigmund-Freud-gleich tief ins Unterbewußtsein und in eventuelle Kindheitstraumata eines angehenden Mittdreißigers eintauchen und hoffen, dass sich dort die Gründe für diese Wut finden lassen.

    Denn als die CD die Marktführung für Tonträger übernahm, dürfte ich ca. elf oder zwölf Jahre alt gewesen sein, ein ideales Alter, um höchst anfällig zu sein für kommerzielle Neuerungen, denn einerseits war die Phase, in der man sich für allerlei Spielzeug interessierte, auch durch neues schulisches Umfeld schon abgeebbt, zweitens wurde die CD als neues Heilmittel angepriesen, denn sie war nicht so unhandlich und empfindlich wie eine Platte und sollte im Gegensatz zur Kassette auch noch zwanzig Jahre später dieselbe Qualität aufweisen.

    Sogar ein besserer Klang als bei LPs wurde uns versprochen: im Nachhinein ein völliger Quatsch, aber Klein- Woisler fraß die ihm vorgesetzte Propaganda gierig und sparte sich fürderhin das Geld für die so ersehnten CDs vom Mund ab.
    Und damit einhergehend wurde auch das Cover und Booklet bis ins Kleinste studiert und vieles auswendig gelernt, vielleicht dankte ein Künstler ja seinem Hund oder es war ansonsten ein unglaublich wichtiges Detail zu finden.
    Auch ein nüchtern gestaltetes Booklet ließ Rückschlüsse auf den Künstler zu.
    Klar waren CD-Cover schon aufgrund der geringeren Größe oftmals nicht mehr so detailfreudig wie Plattencover.
    Aber dafür ließen die Booklets viel Platz für visuelle künstlerische Ideen. Klar diente dies auch oft als Instrument, durch diese mittelmäßige bis schlechte Platten optisch aufzupimpen, aber selbst das ist ein Umstand, über den man sich in baldiger Zukunft gar nicht mehr auslassen kann, weil es sie dann nicht mehr gibt.
    Und erst recht wird es dann keine Booklets mehr wie das von „Angel Dust“ von „Faith no more“ geben (um nur eines zu nennen), ein geniales Booklet zu einer genialen Platte.
    Es stirbt mithin eine Branche, um die zumindest ich trauern werde bzw. jetzt schon trauere, wenn ich mir die Trends ansehe.
    Besonders bedauernswert hierbei ist, dass auch die Menschen ab dreißig mithelfen beim Abstechen;
    Warum teilt denn keiner meine zumindest noch in Spuren vorhandene Skepsis gegenüber dem Computer und meine Angst vor dem großen elektromagnetischen Impuls?

    Viele meiner Altersgenossen wollen hip und jung wahrgenommen werden und bei den Twens gut ankommen durch teilweise geheuchelte Computer- und Internet- Affinität. Diese Waschlappen! Und nebenbei ist es noch kontraproduktiv, denn große CD-Sammlungen sind (leider) inzwischen so exotisch, dass die Studentinnen gern mitkommen -hab ich gehört…

    Und noch ganz nebenbei: komisch, dass diese ganzen Byte- und Online- Fetischisten dennoch fast alle die Existenz des guten alten Buches für den Hausgebrauch verteidigen…












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