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  • Weezer – Pinkerton

    Von Christian Schmitz-Linnartz

    pinkerton

    Geffen / Universal VÖ: 24. September 1996

    Meistens habe ich zu viel Ehrfurcht vor jedem einzelnen Musikjournalisten, der zumindest in den großen altbewährten Printmedien verzapft; zu übermächtig, weil sehr konzentriert erscheint mir das Wissen der Musiknerds, zu exakt ihre Beobachtungsgabe bzw. ihre Fähigkeit der Musikwahrnehmung. Doch manchmal, ganz selten, stellt sich ein mir (eigentlich) gänzlich fremdes Gefühl ein, nämlich Arroganz, oder einfach Mitleid vor der Armseligkeit des Wesens, Größe nicht zu erkennen.

    Das liegt oft und wahrscheinlich auch im vorliegenden Fall an einer der wichtigsten Musikjournaillenmaximen:

    “Debütalben sind so was von grundsätzlich die besten jeder (großen) Band.”

    (Und auch ich habe mich in diesem Dogmenstreit gegen diesen Irrglauben verausgabt, indem ich mir gegenseitig mit guten Freunden erbost eben jene Worte- “Blaues Album” und “Pinkerton”- an die Köpfe pfefferten.)

    Anlass zu diesem Artikel und Ziel meiner verächtlichen Geringschätzung ist ein Herr in der “Visions”, der anlässlich einer fetten Neuherausgabe der “Pinkerton” hübsche Zeilen schreibt. Natürlich ist es nicht einfach, in durch’s Layout limitierter Wortanzahl über eine der größten Platten der letzten zwanzig Jahre zu schreiben.

    Meine Lösung ist ganz einfach: entweder komplette Arbeitsverweigerung aufgrund des Diktats, sich nur auf einer Viertelseite (!) über “Pinkerton” auslassen zu dürfen; oder ich beschreibe als eingeteilte Journaille die Platte nur mit den ihr entsprechenden Superlativen. Eine dritte Möglichkeit wäre die ausschließliche nüchterne Wiedergabe der Bonus-Features, da man ja um die Großartigkeit dieser Platte weiß.

    Aber das, was Herr Hockenbrink da verzapft, ist gequirlte Schei…den…was auch immer!

    Das liegt an einer weiteren Musikjournaillenmaxime:

    “Schwierige egomanische egozentrische Bandleader sind verachtenswert”:

    Und so sülzt er: “Freudlose seelische Tundra, Madame Butterfly- Alter-Ego” my ass, Herr Hockenbrink, schön, dass immerhin der vermeintliche Poppunk “unwiderstehlich” ist, ich geb Dir “androzentrische Opferhaltung”, Du Opfer. Der Herr “Rezensör” macht seinen Text zum psychologischen Traktat und Rivers Cuomo zum Psychowrack im schlechten Sinne. Doch Herr Hockenbrink weiß noch mehr: “Mittlerweile wird die Platte von jenen Hörern hochgehalten, die darin ein entwaffnend ehrliches Dokument männlicher Selbstanklage sehen…”
    Blablabla, und es stimmt noch nicht mal, denn die Texte sind oft eher humorvoll, zumindest empfinde ich sie so:

    “Cause I can’t even look in your eyes
    Without shakin’, and I ain’t fakin’
    I’ll bring home the turkey if you bring home the bacon.”- “El Scorcho”

    Noch ein Beispiel gefällig:

    “I’m dumb, she’s a lesbian
    I thought I had found the one
    We were good as married in my mind
    But married in my mind’s no good.” -“Pink Triangle”

    Aber ich verrat Euch eins: ich scheiße größtenteils auf die Texte, denn “Pinkerton” ist mehr, “Pinkerton” ist fast alles: Pinkerton ist das Ende von Grunge und gibt diesem die Schrotflinte in die Hand, es ist Opus magnum und gleichzeitig der Tsunami für all diese pseudohalbweinerlichen Holzfällerhemden, “Pinkerton” ist die Blaupause für eine Bewegung, die den Namen “Emo” hätte tragen dürfen. Nie zuvor und nie danach waren Gitarren so kraftvoll in der Verzerrung und in der Direktheit, kein stimmliches geschrienes oder ruhiges Leiden so vollendet, kein Moll je so Dur.

    Kein Song, kein Akkord, keine Hundertstelsekunde war je so wertvoll auf einer Platte.

    Wertung: ★★★★★







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