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  • Blumentopf- “Wir”- Tour, Interview und Konzert in München (oder die Sache mit dem Diktiergerät)

    Von Christian Schmitz-Linnartz

    topfens1Es ist inzwischen schon fast zwei Monate her, dass die Töpfe mal wieder „Heimspiel“ in der Muffathalle hatten. Apropos Heimspiel: nach den „Raportagen“ für das Erste war ich froh (nachdem es für die Fußballfrage im Interview mit Roger und Holunder zeitlich nicht gereicht hatte), dass im anschließenden Konzert auf der Bühne im so fußballverrückten München die essentielle Frage rot oder blau Thema war. Nur (leider) mit dem Ergebnis, dass die Herren zur Mehrheit Bayern-Fans zu sein scheinen.

    Doch erst mal von Anfang an:
    Die Atmosphäre im noch vor der Öffentlichkeit verschlossenen Muffatcafé, welches als Interview- Location genutzt wurde, war gemischt. Von Bandseite und Anhang war größtmögliche Lockerheit zu spüren, Kinder rannten herum und spielten, und das Service-Personal nutzte die letzte Ruhe vor dem Sturm, da die Türen für das ausverkaufte Konzert in zwanzig Minuten öffnen sollten, äußerst geschäftig für letzte Vorbereitungen.
    Somit klapperte viel Geschirr, es wuselte konstant, und es war klar, dass das letzte Interview vor der Show keineswegs eine Sache werden würde, bei der die beiden Herren Manglus und Wunderlich b.k.a. Roger und Holunder, die mir von der Tourmanagerin „zugeteilt“ wurden, mir völlig losgelöst von jeglicher zeitlicher Verpflichtung Rede und Antwort stehen würden. Umso erfreulicher war es, dass die beiden routiniert im besten Sinne eine Ruhe ausstrahlten, die ich leider nicht hatte.
    Denn zum einen steckte diese Hektik an, zum Anderen muss ich offen zugeben, dass die Fragen, die man Leuten, deren Schaffen man seit über zehn Jahren verfolgt, gerade dann, wenn man sie braucht, nicht mehr abrufbar waren, was noch weniger zur Ruhe beitrug.
    Zum Dritten hatte ich vorab angefragt, ob ich nicht den Herrn „Schu“ verpflichten könnte, mir Rede und Antwort zu stehen, was angesichts der fortgeschrittenen Uhrzeit jetzt nicht mehr möglich war.

    Auch warum der Herr Schuster als Gesprächspartner gewünscht war, dazu gleich mehr, zunächst sollten jedoch Holunder und Roger gefragt werden, ob die beiden denn den Eindruck hätten, dass das Publikum mitgewachsen sei. Die Antwort erstaunte doch, als Roger meinte, dass die Fans der ersten Stunde zumeist schon Kinder hätten und es somit schwierig wäre, an einem Dienstag abend mal schnell auf’s Blumentopf- Konzert zu gehen.
    (Die Frage, ob sie dieses Auseinanderfallen des Lebensstils Gleichaltriger und der von ihnen selbst sie nicht auch manchmal beschäftige, weil sich somit auch privat vermutlich Bekanntenkreise zwangsläufig verschöben, diese Frage hätte man stellen können, doch nachher weiß man oftmals mehr.)
    Am Vorabend in Erlangen, ergänzte Roger, wäre man jedoch auch extrem erstaunt gewesen, wie jung das Publikum sei.

    Doch nun zurück zum „Schu“: Herrn Schuster hätte ich gerne als Gesprächspartner gehabt, da er unter anderem mit „Sie tanzt die Nächte durch“ einmal mehr den altgewohnten Kontrapunkt zu seinen Kollegen setzt, die mit „Nicht genug“ ein Liebes- Monogamie- Bekenntnis abliefern. Doch auch darauf sollten mir die anderen beiden Herren antworten:
    Auf meine Frage, ob sie diese recht konträren Positionen nicht als Widerspruch sähen, antwortete zuerst Roger eigentlich abschließend: „Blumentopf hat immer davon gelebt, dass jeder so sein eigenes Ding macht, dass das Ganze nicht so eindimensional ist.“

    Beide fühlten sich aber noch verpflichtet, zu sagen, dass der “Schu” keinesfalls ausschließlich so sei, wie man ihn wahrnehmen könnte, da auch er eine siebenjährige Beziehung hinter sich hatte.
    Nachdem ich das Schlagwort „nicht greifbar“ einbrachte, folgten dann doch noch ein paar Einlassungen zu dem Thema. Roger: „Das Ungreifbare macht uns zur besonderen Band. Wenn ich was sage, dann ist das der Roger vom Blumentopf; und es nie hundertprozentig das, was man von jedem sagen könnte. Natürlich gibt es Themen, bei denen es einen Meinungskonsens gibt, aber ansonsten steht jeder für sich.“
    Holunder ergänzt: „ Viel schlimmer wäre, wenn die Leute sagen würden, das sind die mit den unintelligenten Texten. Das Greifbare ist, dass die Leute sagen, das sind die mit den guten Texten.“

    Jetzt pirschte sich mehr Unbehagen an, denn ab jetzt wurde der Interviewmitschnitt leider etwas unverständlich und dumpf, weshalb der Interviewer stark aus der Erinnerung rekapituliert:
    Das vorangegangene Thema war damit für den nervigen Interviewer immer noch nicht beendet: ich sprach das Thema von der Solidarisierung mit den Inhalten an; und dass dies ja im Endeffekt beim Blumentopf aus vorhergenannten Gründen nicht möglich sei:
    Holunder wandte gleich ein, dass es einzelne MCs gäbe, die sich von Track zu Track widersprächen, aber dies wäre eben HipHop und er fände es nicht schlimm. Auch dürfte all dies nicht zu ernst genommen werden, wenn er zum Beispiel rappt: „7 Uhr morgens aufstehen ist eine Menschenrechtsverletzung“, dann sei dies als Punchline zu sehen und im Kontext, keinesfalls würde er sich wirklich an dem Wort „Menschenrechtsverletzung“ festmachen lassen, denn es sei im ernsthaften Kontext absurd.

    Nachdem dieses Thema beendet scheint, erscheint die Frage folgerichtig, welches denn für die beiden der Blumentopf- Track schlechthin wäre, wenn man das ganze Schaffen auf einen Track herunterbrechen müsste. Holunder sinnierte über “Block und Bleistift”, als ich noch einmal präzisierte: ein Außerirdischer, der aber unsere Sprache spräche, wüßte gerne anhand von nur einem einzigen Track, was “Blumentopf” sei. Da fiel es Roger leicht, “Manfred Mustermann”.

    Anhand von Manfred Mustermann lässt sich der Bogen zu neuen musikalischen Wegen spannen, die der Blumentopf mit einer Band schon seit ein paar Jahren beschreitet: was man denn live noch für Wünsche hätte an Innovativem:

    (Was ich zu der Zeit nicht wußte, als ich die Frage stellte, war, dass der Topf schon zusammen mit einem großen Orchester (dem hr- Sinfonieorchester) gespielt hatte, unter anderem eben auch “Manfred Mustermann”.)
    Und dies sei auf jeden Fall etwas, was man live gerne noch mal machen wolle, wenn es denn machbar sei.
    Denn Roger war seinerzeit beeindruckt, dass gleich mehrere Dutzend von Leuten die Arrangements einspielten, die man selber gebastelt hatte.
    Auf meine Rückfrage, ob man denn eine gewisses despektierliche Art der klassischen Musiker hätte feststellen können, antworteten beide, dass es im Gegenteil sehr von gegenseitigem Respekt geprägt gewesen sei.

    Die Einlassungen zu diesem Thema sollen hier die perfekte Überleitung sein, aus dem Interview, welches sich langsam dem Ende zuneigt, heraus in die Vogelperspektive zu gehen und in die nur wenige Meter entfernte Muffathalle zu schwenken, wo in wenigen Minuten Schu & Janna a.k.a. „YA-HA!“ den Abend musikalisch eröffnen sollten. Und wer ausschließlich die Kollabos der beiden unter dem Namen Blumentopf feat. Janna kennt, konnte durchaus ein wenig enttäuscht sein, denn irgendwie wollte wenig Funke überspringen. Dies mochte durchaus anders sein, wenn man die Songs kannte, nur dies war mir nur zum Teil vergönnt.
    Doch dann sollte endlich der Topf kommen, den live zu hören ich mich seit 1998 das sechste oder siebte Mal anschickte.
    Und während mich beim letzten Konzert nur mit DJ (Sepalot) ohne Band vor einigen Jahren das Gefühl beschlichen hatte, alles schon einmal (besser) gehört zu haben, und das Ganze beim ersten und zweiten Mal mit Band einfach künstlich und unausgegoren gewirkt hatte, hatte man nun die Mitte gefunden.

    Es gab musikalische Blöcke mit der Band, nur mit DJ, die manchmal so flüssig unaufdringlich ineinander übergingen, dass nicht nur mir diese Wechsel selbst kaum auffielen.
    Zudem ist das Repertoire, aus dem die Töpfe anno 2010 schöpfen können, schier unerschöpflich vielseitig.
    Zugegeben, die Erwartungen an die Live-Performance, was einige Tracks vom aktuellen Album „Wir“ betrifft, waren nicht sehr hoch, weil die Tracks auf dem Album ohne Pepp und- scheinbar- Herzblut aufgenommen wurden.
    Aber man kann sich schon sehr täuschen: „SystemFuck“, „Taschen voller Sonnenschein“, „Hunger“ oder „Solala“ sollten live einfach riesigen Spaß machen. Mit letztgenanntem Track erzielten die Jungs einige Tage zuvor Platz vier beim Bundesvissions-Song-Contest; und ihre breite Brust deswegen konnte man förmlich sehen.
    Und obwohl der Blumentopf in München einfach anders ist als woanders, sei es, weil man ein Fass aufmacht in Bezug auf Fußball und Bayern oder 60 oder über das Bier in anderen Städten herzieht und Augustiner wieder den Schrein erbaut, sollte doch gesagt sein, dass der Topf einfach wichtig ist als ein Ende des HipHops-Spektrums in diesem Land, ein Name und ein Alleinstellungsmerkmal.

    Und außerdem “party safari”!topfens2







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