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  • X edge perspectives on drug free culture

    Von Christian Schmitz-Linnartz

    x-edgeCompassion Media – VÖ: 6.8.2010

    ein Film von Marc Pierschel/Michael Kirchner

    Wären die zwei Macher dieses Films US- Amerikaner, wäre es ein guter Film, etwas stocksteif und dogmatisch im Aufbau (wie es das Klischee von Straight- Edgern erwartet), aber ein toller Film. Denn er beinhaltet alle wesentlichen Aspekte dieser nunmehr fast dreißig Jahre alten Bewegung; dabei wollen Ian MacKaye und Ray Cappo zum Beispiel “Straight Edge” gar nicht als Szene oder Bewegung definiert wissen, doch dazu später mehr. Ein Manko des- sagen wir- dokumentarischen Aspekts ist, dass für die sehr penibel strukturierten Facetten von “Straight edge” immer nur jeweils ein Beispiel exemplarisch herangezogen wird.

    Es ging anfänglich um die Macher dieses Films: die Macher sind die Herren Pierschel und Kirchner, und die sind Deutsche. Das führt zum vielleicht größten wesentlichen Kritikpunkt an diesem Film: die Herren Pierschel und Kirchner hätten dieses ganze (zugegeben streckenweise faszinierende) Material nehmen müssen und Abgleiche mit der Szene in Deutschland machen müssen. Denn in all den Punkten Alkohol, Drogen, Promiskuität und Ernährung gibt es riesige Unterschiede zwischen den USA und hier. Am deutlichsten ist dieser natürlich beim Alkohol, der in den USA in der Öffentlichkeit nur versteckt getrunken wird, während bei uns nicht wenige Eltern belustigt sind, wenn der fünfjährige Schraatz heimlich den letzten Schluck aus dem Pilsglas getrunken hat. Ein anderer Teil der Bevölkerung hat währenddessen aufgrund des Islam- Hintergrunds hierzulande genau konträre moralische Ansichten.

    Ein weiterer Kritikpunkt am Film ist die Tatsache, dass die Musik zu wenig Raum einnimmt: bei einem Film, der eine Szene widerspiegelt, die aus einer Musikband und einem Song heraus geboren wurde, dürfen ruhig mehr minutenlange Konzertmitschnitte aus den inzwischen drei Jahrzehnten von “Straight edge” präsentiert werden als der eine von “Have heart” aus dem Jahr 2007, denn aus der Musik speiste und speist sich die Ideologie. Laut “wikipedia.de” bezieht der Film aber seine Daseinsberechtigung  eben aus dem Gegensatz zu zwei eher musikalisch- fokussierten Werken über diese Szene, indem er eher die Geschichte, die Motivation und die Interpretation von “Straight edge” behandelt.

    Dann fehlt aber mindestens ein Aspekt: wenn man sich bei Wikipedia ein Bild von “Straight edge” macht, erscheint ein ganzer Absatz dort zum Thema Hardcore der rechten politischen Szene. Der Vollständigkeit halber hätte man auch im Film darauf eingehen müssen, auch da sich hierdurch leider der Bogen zu Deutschland spinnen ließe.

    Aber ist “”Straight edge” überhaupt eine Szene, eine Bewegung oder eine Ideologie? Ross Haenfler, ein Universitätsdozent, meint ja. Aber Ian MacKaye und Ray Cappo, der “Erfinder” und ein sehr alter Haudegen, sagen nein und bombardieren diese “Religion” ihrer Jünger, von MacKaye hat man dererlei schon öfters gehört. Aber Ray Cappo findet drastische Worte für eine “Szene”, die er mit erschaffen hat und die ihn laut eigener Aussage schon längst geopfert hat, weil er in seinem Leben ein paar Gläser Wein getrunken hat. In diesem Punkt haben wir hier eine Abrechnung mit den Bessermenschen, nicht wütend, aber enttäuscht; und diese Ehrlichkeit fesselt und fasziniert.

    Um auf die Musik zurückgekommen, auch hier bleiben Fragen offen: muss man politisch agitieren und Hardcore oder zumindest Punkrock hören, um Teil dieser Bewegung zu sein oder gibt es zumindest einzelne Aspekte dieser Strömung in anderen Umfeldern?  Denn wünschenswert wäre es, wenn auch in anderen musikalischen Subkulturen zumindest manche Protagonisten etwas propagieren würden, was frei von Drogen oder Alkohol ist. Denn, Hand auf’s Herz,  all das Komasaufen, Komakiffen oder Pillen nehmen bis zur völligen Hirnvermatschung rechtfertigen die Kids mit den Zwängen einer Szene.

    Das gehört doch jetzt alles eigentlich nicht hierher. Oder vielleicht doch, weil der Film gerade all dies offen läßt?

    Ein letzter Punkt: jemand, der sich normalerweise mit dem Rezensieren von Videospielen beschäftigt, würde die liebevolle Gestaltung des Hauptmenüs hervorheben, und er hätte Recht. Aber gerade das dürfte bei einer Dokumentation über “Straight edge” mit all ihrem nonkonformalistischem Denken doch relativ zu vernachlässigen sein, ansonsten habe ich nichts, aber auch rein gar nix verstanden.


    Wertung: ★★★☆☆







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