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  • Juse Ju – Yo! HipHop hat mein Leben zerstoert.

    Von Christian Schmitz-Linnartz

    juseHighProductions / Popbizenemy / Roughtrade VÖ: 19.06.2009

    Der Volksmund sagt zwei vernünftige Dinge: „Lieber spät als nie!“ und „Versprochen ist versprochen!“. Diese beiden Volksweisheiten und die Äußerungen eines mir bekannten Menschen, der mit Musikjournalismus sein Brot verdient, dahingehend, dass ihm persönlich das Datum von Rezensionen ja völlig egal im Verhältnis zum Releasedate wäre, alles das veranlasst mich, jetzt eine Rezension noch zu verfassen, die ich vor fast einem Jahr versprach.
    Dass „Versprochen ist versprochen!“ auch noch der Name eines Tracks auf der Platte ist, macht die Sache fast schon schicksalhaft.

    Wahrscheinlich liegt die innere Verweigerung der Beschäftigung mit diesem Album einfach daran, dass persönliche Sympathie mit Juse sich einfach nicht mit manchen Tracks vereinbaren ließ; zu cheesy kommen Tracks wie „Sexy Kartoffel“, Flyer College Boy“ (mit Fatoni von „Creme fresh“ als Mikrofongast) oder „Mädchen vom Gymi“ um die Ecke. Apropos Cheesyness: Raphael Dwinger singt bei „Lass dich nicht“ sogar angenehm und nicht wie jüngst auf der „Creme Fresh“- Platte.
    Hört man sich all diese cheesy Tracks aber mal genauer an, schimmert die porentiefe Ironie durch, die diesen Tracks innewohnt. „Vor Jahren hat die Backspin schon mein Demo erreicht, wie’s aussieht, hat damals schon mein Demo gereicht für die Abschaffung zu sorgen des Demobereichs.“
    Juse kokettiert textlich gekonnt damit, dass er als- erstens- Wahlmünchner und- zweitens-Student gar nicht real sein kann und zieht gleich das zartrosa Ralph- Lauren- Poloshirt, die Armani- Sonnenbrille, den Kaschmirschal an und geht zur Maniküre, zumindest, was die Cheesyness einzelner Beats oder Hooks betrifft. Und jemand wie der hier Schreibende, der noch Ende der Siebziger geboren wurde, kommt einfach nicht klar auf die damit verbreitete Stimmung. Auch für Sample- überfrachtete und ein wenig „Kraftwerk“- durchzogene Tracks wie „Versprochen ist versprochen“ muss man den Nerv haben. Soviel zu den magenreizenden Nummern.
    In der Rubrik komplett außen vor gibt es mit „Loser oder Hurensohn“, einen Track, dem komplett neutral gegenüberzustehen keine Schande ist, auch wegen der schon viel zu oft gehörten „Beck- Loser“- Referenz.

    Ganz anders dann aber dann Tracks wie „Starfeature“, ein Monster an Beat von Sajuz, ein Dauerfeuer an Rhymes und ein Featuregast wie „Creme- fresh“s Keno, der alles in Grund und Boden bombt. Dabei war dessen Beitrag nur eine Notlösung, wie man im letzten Track erfährt.
    „Schöne Menschen“ spricht mir wie wahrscheinlich vielen Wahlmünchnern aus der Seele, weil er ein Gefühl offenbart, das auch noch andere zu teilen scheinen. Ganz zu schweigen von „Reggay“, einer Abrechnung mit dieser pseudofriedlichen, verklärten Reggae- Szene, so ein Thema war längst überfällig. Zu „Selbstjustiz“ ist eigentlich nur zu sagen, dass der Beat als auch das Thema als Deutschrap- Klassiker durchgehen könnte, so typisch und im Positiven altvertraut hat Provo Beats das Grundgerüst gestaltet.
    Auch wenn „Stupid games“ eher zu den angenehmeren Nummern gehört, würde ich Lukas Roth gerne dazu verurteilen, sein abgemischtes Intro selbst auf Endlosschleife über Kopfhörer zu hören; die ständig fluktuierende Lautstärke macht erst schwummerig und dann aggressiv.
    Aber am Ende halte ich trotz der mir weniger bekömmlichen Tracks die HipHop-Fahne hoch für Juse Ju, allein schon eines gesunden Verhältnisses zum Konjunktiv wegen (wer „brächte“ in seinen Texten sagt, hat ein gesundes Gefühl zur Sprache und kann kein schlechter Mensch sein); und die Fahne hoch für einen Schlußtrack, bei dem man nach den eigentlichen Bars einfach nur den Beat durchlaufen lässt und sein Herz öffnet, dafür gebührt einfach höchster Respekt.

    Wertung: ★★★½☆







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