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  • Dendemann – Vom Vintage verweht

    Von Christian Schmitz-Linnartz

    dendemann-vintageYo Mama / Sony VÖ: 09.04.2010

    Das geht aber los wie die fette Lucy, meine Fresse! Und es lässt kein bisschen nach bis zum letzten Takt! Garagen-Rap nennt der Kollege Daniel Ebel alias Dendemann das und bezieht sich vermeintlich auf die teilweise dreckigen Gitarrensamples. Nicht alle Samples sind so dreckig, aber jeder Track ist gespickt mit wuchtigen Samples. Oder sogar live eingespielten Instrumenten, seien es Sturm-E-Gitarren, vollmundiges Klavier oder Streicher- und Bläsersätze, die teilweise von Monumentalfilmen entliehen wirken. Aber es gibt auch gutgelaunte Synthesizer-Samples wie bei „Stumpf ist Trumpf“, „Petze“ oder „Es geht bergab“ wie von leichtfüßigen 80er-Popnummern. Auch die Cuts, die für Einen mit Dendemanns HipHop-Historie unerlässlich sind, setzen die nötigen Akzente. Nach der Duftmarke „Die Pfütze des Eisbergs“ war es schwer, noch einen drauf zu setzen. Das ist Herrn Ebel aber mühelos gelungen.

    Wer auf „Vom Vintage verweht“ wie beim Vorgänger chilligere Beats einhergehend mit Intellektualität oder geistreichem Tiefgang erwartet, wird enttäuscht, denn „stumpf ist Trumpf“. Bei aller Liebe zu Dendemanns Ambitionen zu guten Texten und geistvollen Inhalten steht ihm bei seiner Stimme, die auf viele anstrengend wirkt, Druckvolleres besser zu Gesicht. Und genau das erwartet einen auf „Vom Vintage verweht“: ein fast durchgängig hohes Tempo gepaart mit dieser unbändigen Freude am Nonsens. Aber auch am Inhalt, alles aber immer locker und mit dem Spaß transportiert, den wir von zum Beispiel den Broten oder Tobi & Bo kennen. Da kommt nicht selten dieses Gefühl wie bei „No sleep till Brooklyn“ oder sogar der ganzen „Licensed to ill“ von den Beasties auf. Songs, die einen meiner Generation wieder sechzehn sein lassen, schöne einfache und doch wortgewandte Texte mit der Wucht der Produktionsstandards von 2010. Es gibt keinen Ausreißer nach unten und am Ende wird noch die Stimme von Dirk von Lowtzow in die Hook gecuttet, als wäre der Tocotronic-Song „Explosion“ nur zu diesem Zweck geschrieben.

    Man mag mir als jemandem, der aufgrund von Nostalgien unbelehrbar im deutschen Kommerz-HipHop von 1995 bis 1998 gefangen ist, Befangenheit vorwerfen. Doch das Urteil dürfte auch von einem unbefangenen Richter nicht anders lauten:

    Das hier ist (m)eine Platte des Jahres!

    Natürlich kann man nicht wissen, was 2010 noch bietet, aber da muss noch ein absoluter Geniestreich kommen, um diese Platte vom obersten Podestplatz zu stoßen. ‘Bis dahin soll der deutschsprachige Raum mit Dendemann feiern, springen, rappen und – tatsächlich auch – ohrwürmig singen!

    Wertung: ★★★★★







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