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  • Creme Fresh – Organisiertes Zerbrechen

    Von Christian Schmitz-Linnartz

    creme-organiserteszerbrechen2Kopfhörer Recordings VÖ: 26.02.2010

    Es ist im Großen und Ganzen nie das Beste, wenn einer Platte eine immense Erwartungshaltung zugrunde liegt. Und bei „Organisiertes Zerbrechen“ war diese Erwartungshaltung immens, aus vielerlei Gründen.

    Einerseits stand ganz München in den Startlöchern für den nächsten großen Wurf im HipHop, und da von den anderen Münchner HipHop-Größen wie zum Beispiel Blumentopf oder Main Concept momentan keine Veröffentlichungen angedacht waren, kam „Organisiertes Zerbrechen“ die Funktion des alleinigen Ausrufezeichens zu.

    Dass ihnen momentan München die „Messias“-Funktion zugedacht hat, zeigte sich auch am letzten Freitag auf der Record-Release-Party, wo mit Blumentopfs Holunder, David Pe von Main Concept und Fiva MC sich eben jene Münchner HipHop-Elite die Klinke in die Hand gab. Bei Fiva war noch mit ausschlaggebend, dass die Platte auf Fivas Label Köpfhörer erscheint.

    Was zusätzlich noch Hunger auf’s Album machte, war eine Version von „Niedertracht“, die auf M 94.5 (Münchens Nummer-eins-Sender für alternative Musik) vor mehr als einem Jahr schon auf Heavy Rotation lief.
    Und damit gleich zum ersten Wermutstropfen, diese Version von „Niedertracht“, die mit Dopeness bis zu den Zähnen bewaffnet war, ist leider nicht auf dem Album zu finden.

    Auch die Tatsache, dass On3, die Jugendabteilung des Bayerischen Fernsehens, „Creme Fresh“ den Videodreh zu „Renovieren“ finanzierte und „Creme Fresh“ eine ganze Staffel als Studiogäste einlud und sie beweihräucherte, lässt auf eine verdammt starke Platte hoffen.

    Zudem werden die Erwartungshaltungen noch geschürt dadurch, dass „Creme Fresh“ 2007 mit „Hast Du Feuer?!“ eine Platte herausgebracht hatten, auf der jeder Track vom Beat oder auch den Samples her in den ersten Sekundenbruchteilen einen krassen Wiedererkennungswert etabliert hatte. Das funktioniert logischerweise live großartig.
    Das liegt vor allem daran, dass Beatschmied Bustla eher weniger ein Crate Digger ist, sondern vielmehr auf das Einspielen von Instrumenten als auf das Benutzen von Samples zurück greift, zumal er selber Schlagzeuger ist. Deshalb wird man nie Gefahr laufen müssen, dass „Creme Fresh“- Beats gleich oder beliebig klingen werden.
    Auf „Organisiertes Zerbrechen“ hat er eine Riesenentwicklung durchgemacht, was die Perfektion am Beat betrifft, und damit eine Komplexität in den Beats geschaffen, die ihn empor hieven dürfte zu internationalen Produzentengrößen. Natürlich geht dies ein bisschen auf Kosten der naiven Verspieltheit der alten Beats, aber nichtsdestotrotz hat wirklich jeder Beat hier Persönlichkeit, er lebt und atmet und haut Dir je nach Bedarf auf die Fresse oder umschmeichelt dich:

    „Click“ beispielsweise besitzt ein Riesen-Producer-Selbstbewusstsein, indem ein dicker Drumbeat wegbricht und einfach nur Akustikgitarre läuft. Die Cuts von DJ Snatchatec in der Hook runden das Ganze ab. So eine Produktion ist einfach State of the Art und sogar „?uestlove“ bliebe vor Begeisterung der Mund offen stehen.
    „Halb so wild“ ist wahrscheinlich am vielseitigsten arrangiert: Indrustrial-Klänge wechseln sich ab mit Latin-Gitarre. Elektronisch geht es auch bei „MF Blues“ oder „Affenmusik“ zu. „Scherben“ hat eine satt rockende E-Gitarre und ein peitschendes Ganzes.

    Auch von Polka und Ska bis hin zu Crossover ist alles vorhanden: „Niedertracht“ beschäftigt ganze Bläsercombos und auch „Renovieren“ geizt auch nicht mit Instrumenten. „Gegen die Wand“ erinnert nach komplexem electro-lastigen Intro ziemlich an „Such a surge“, auch in Punkto Rapstyle.

    Womit wir letztendlich bei den Raps wären: dass Fatoni und Keno großartige Rapper sind, steht in München – aber auch darüber hinaus – schon lange außer Frage, diesen fast legendären Ruf manifestierten sie auf diversen Battles, auf denen sie die Konkurrenz oftmals dergestalt schlugen, dass sich die beiden nicht selten im Finale begegneten.
    Dabei sind sie keinesfalls austauschbar: Keno mit seiner eher hohen Stimme sitzt so tight auf dem Beat, dass man den Eindruck hat, der Beat würde nur takten, weil er es ihm erlaubt. Fatoni hingegen hat die deutlich tiefere Stimme und geht deutlich weniger perfektionistisch aber intuitiver zugange (Bustla bezeichnete ihn mal im Vergleich zu Keno als das Tier in einem Interview).
    Stimmig ist der Umgang mit dem Beat bei beiden, auch wieder auf der neuen Platte.
    Außerdem beweisen beide, dass sie singen können, Keno auf „Niedertracht“ mehr als nur angedeutet. Umso mehr erstaunt es somit, dass auch Creme Fresh der Unart anheim fallen, mindestens ein R’n’B- Gastfeature zu haben, zumal dieser Raphael Dwinger auf „Schauspielerin“ noch nicht mal zwingend überzeugt. Dies fällt umso mehr ins Gewicht, da FaToni auf dem selben Track großartigen Gesang andeutet. Das musste wohl ein Freundschaftsdienst sein… (Anmerkung der Fairness halber: der hier Schreibende mag keinen cheesy Gesang, egal wie ironisch dieser auch akzentuiert sein mag!)
    Bei „Odyssee“ hingegen hätte die Hook nicht gesanglich in der Andeutung verweilen müssen, denn so eine richtig schmalzige Schlager-Hook oder – besser noch – ein deutschsprachiger David Bowie wäre hier fast zwingend gewesen – aber auch das ist bitte äußerst subjektiv.

    Was die Themenvielfalt betrifft, auch da hat „Hast Du Feuer?!“ die Messlatte sehr hoch gelegt, sei es der großartige Sarkasmus von „Public Relations“, das Storytelling bei „Pass auf!“ oder das große nostalgische „Flashback“.

    Unter den Tracks auf „Organisiertes Zerbrechen“ sind sehr viele Party- oder Representer-Tracks, sei es „Scherben“ „Break“, „Click“, „MF Blues“ oder auch die Single „Renovieren“. Der allgemeine Weltenfrust kommt mit „Niedertracht“ oder „Gegen die Wand“ nicht zu kurz, der spezielle Weltenfrust bekommt in „Halb so wild“ seine Abreibung. Auch die Liebe kommt nicht zu kurz, aber mit einem Augenzwinkern: ob jetzt Toni eine „Schauspielerin“ angräbt oder in der „Rue St- Honoré“ französisch gefrühstückt wird.

    Aber speziell, wenn man den Vorgänger „Hast Du Feuer?!“ als Referenz heranzieht, will irgendwie der Gedanke nicht weichen, dass da noch mehr möglich war, so lässt einen „Back“ thematisch irgendwie ziemlich im Regen stehen, es erscheint, als ob der Text da Mittel zum Zweck sei, um den Beat auszuschmücken; der Eindruck drängt sich leider auch ein wenig bei „Click“ auf.

    Und auch die Tatsache, dass K.I.Z. vor ziemlich genau einem Jahr eine Platte auf den Markt gebracht haben, die einen neuen Maßstab gesetzt hat, was Sprache, Ironie und dicke Hose betrifft, legt die Messlatte ziemlich hoch. Und an dieser Messlatte scheitert „Creme fresh“ ein wenig.
    Und jetzt möge der Einwand kommen, dass sich K.I.Z. am anderen Ende des Spektrums des Deutsch-HipHops befinden, aber nichtsdestotrotz haben sie textlich einfach was vorgegeben. Abgesehen davon aber ist „Organisiertes Zerbrechen“ eine Platte, die einfach abgeht, atmosphärisch großartig einfährt und einfach ins Plattenregal muss, Punkt!

    Wertung: ★★★★½







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    1 Kommentar »
    1. PrinzPiiii schreibt:

      Von dem gibts ein geiles Interview auf Rap.de!

      http://rap.de/features/949

      29. Jun. 2010 | #

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