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  • 40 Jahre Heavy Metal – Kunst, Wissenschaft, Religion

    Von Frank Findeiss

    blacksabbath-xxEin Kommentar

    Vor 40 Jahren war es ein Freitag, der 13. Februar als Black Sabbath ihr gleichnamiges Debüt-Album aufnahmen. Noch im selben Jahr stand ihr musikalisches Credo „Paranoid“ Pate für den unaufhaltsamen Wahnsinn einer gesteigerten Aggression, die sich im Motto „härter, schneller, lauter“ artikulierte. Dabei stellten sie den Beat, Rock und Heavy Rock der 60er-/ 70er Jahre in den Schatten und diesen Stilen ihren düsteren, gleißenden, schweren Sound gegenüber, nach dem sich die Bezeichnung Heavy Metal etablierte. Im Laufe der Geschichte haben sowohl Musiker wie auch Anhänger mit den genretypischen Symbolen immer nur kokettiert und sich daran ergötzt, dass der Rest der Gesellschaft sie mit dem Brandmal der Inkarnation des Bösen stigmatisierte. Doch vorbei sind die vielen Stolpersteine, die man der Bewegung in den Weg legte, seien es Gerichtsprozesse wegen Aufruf zum Mord, zum Selbstmord, zu zu vollziehenden satanistischen- oder SM-Praktiken bzw. zu irgendeiner anders zu bezeichnenden Art der geistigen Brandstiftung, die man in den Songtexten zu finden glaubte.

    Vielmehr schien das Genre immer wieder aus selbstverschuldeten Gründen seiner Auflösung anheim zu fallen, doch gerade eine Gegenströmung brachte den Heavy Metal regelmäßig auf den Pfad der Tugend zurück, wenn er aus Sicht der Hardcore-Gemeinde in eine gewisse Lächerlichkeit abzudriften drohte – das war: Punk. Als Glam-Metal-Bands wie Kiss oder Van Halen ihre durchaus technische Versiertheit hinter Make-Up, bunten Klamotten, einer allzu poppigen Attitüde und einer gewissen Androgynität versteckten, sorgte die vom 70er Jahre Punk beeinflusste New Wave of British Heavy Metal für neuen Wind, der durch den von der europäischen Szene beeinflussten Informations-Träger Metallica über den großen Teich zog, was sich später als Glücksfall herausstellen sollte. In den 80er und frühen 90er Jahren waren es dann Sleaze-Metal-Bands, wie die jungen Bon Jovi, Guns ’n roses oder die späten Aerosmith, deren schrille Aufmachung mit toupierten Haaren und allzu chartkompatiblen Songs das Gebot nach Authentizität und Unabhängigkeit der Szene vermissen ließen. Abermals zog mit der aufkeimenden Grunge-Welle ein vom Punk beeinflusster Heavy Metal den Karren aus dem „Dreck“, führte die Bewegung in neue Gefilde, aber spaltete zugleich auch die Hardcore-Gemeinde. Während „Nevermind“ ein junges Publikum ansprach und somit den kommenden Nu (school-)Metal einläutete, gelang Metallica mit dem „Black Album“ in gewisser Weise ein der Szene schwer zu vermittelnder Kompromiss bzw. ein Spagat oder Balance-Akt zwischen Old school-Metal und Mainstream. Nicht auszudenken, wenn dieser Genie-Streich, der sicherlich zuletzt auch dem Produzenten Bob Rock zu verdanken war, mitten im Zeitalter von Techno und HipHop nicht gelungen wäre. Würde man dann die vier Grundarten des Heavy Metal (Thrash-, Speed-, Death- und Black-Metal) heute noch erinnern? Hätte das Genre überlebt? Dank der Weiterentwicklung gibt es mittlerweile eine Fülle von weiteren Stilen: ob Doom Metal, Pagan Metal, Kammer Metal, Dark Metal, Melodic Death Metal, Grindcore, Goregrind, Folk Metal, Funk Metal, Fun Metal, Power Metal, Gothic Metal, Industrial Metal, Consense Metal, Metalcore, Deathcore, Symphonic Metal, Progressive Metal oder White Metal. Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt.

    Nahezu jeder Musikstil, wie auch jede Thematik lässt sich mit Heavy Metal kombinieren und dabei ist Heavy Metal schon lange keine Männerdomäne mehr. Die Gleichberechtigung hat den martialischen in einen matriarchalischen Habitus verwandelt, was 2009 gerade durch den ersten „Heavy Metal and Gender“-Kongress unterstrichen wurde. Die Pionierin Doro hatte zwar vor gut einem Jahr bereits ihr 25-jähriges Bühnenjubiläum, allerdings mag sie für eingefleischte Metalheads mehr durch ihr Äußeres als Heavy-Braut durchgehen als durch ihre ansonsten eher sanften Töne. Dagegen war seinerzeit Sabina Classen von Holy Moses ein anderes musikalisches Kaliber, ganz zu schweigen von heutigen gutturalen Ergüssen einer Britta Görtz (Cripper) oder Angela Gossow (Arch Enemy). Längst schon ist Heavy Metal keine Musik mehr – nein, er ist Kunst und nicht nur das: Heavy Metal ist Wissenschaft. Auch im wissenschaftlichen Diskurs scheint er – zumindest in Deutschland – das Forschungsfeld von Frauen zu sein. Hier hat Bettina Roccor mit ihrer wegweisenden Studie „Heavy Metal – Kunst, Kommerz, Ketzerei“, die als Dissertation das Licht der Welt erblickte, Grundlagenforschung betrieben. Die ebenso auf dem Gebiet tätige Professorin Susanne Binas-Preisendörfer öffnet mit ihrer Fakultät – so könnte man sagen – die Türen für eine „Heavy Metalogie“ und ermöglicht es etwa einer Sarah Chaker den intellektuellen Metalfan mit einer Dissertation über „Black und Death Metal. Der Sound. Der Markt. Die Szene.“ zu erfreuen.

    Wo Kunst und Wissenschaft sind, da kann Religion nicht weit sein, so dass es nur ein kleiner Schritt von einer „Heavy Metalogie“ zu einer „Heavy Metheologie“ ist. Der Überbau ist also fertig, aber Vorsicht: Religion ist Opium fürs Volk. Was mag angeblich Saxon-Sänger Bif Byford und den britischen Metal-Hammer-Chefredakteur Alexander Milas dazu bewogen haben, Heavy Metal zur Religion erheben lassen zu wollen? Eine „Markenkampagne“? Der „Prince of darkness“ würde sich im Grabe umdrehen, so er denn schon tot wäre – obwohl, gerade Ozzy hat doch mit seiner MTV-Soap „Die Osbournes“ in den Augen vieler die Szene verraten und verkauft und wie immer hat sich Gene Simmons drangehängt mit seinem Pendant „Family jewels“, der sich bis heute noch mit Dio über die Urheberrechte der „mano cornuto“, dem Metalgruß, streitet. Nein, Ozzy ist bescheiden, sonst würde er sich als „King of Heavy Metal“ bezeichnen. Er hat ganz einfach wie Metallica mit „Nothing else matters“ seinerseits mit „Dreamer“ bewiesen, dass hinter der harten Schale ein weicher – kommerzieller – Kern steckt: „Your higher power may be god or Jesus Christ, it doesn’t really matter much to me. Without each others help, there ain’t no hope for us. I’m living in a dream, a fantasy.“ Diese Bescheidenheit und altersbedingte Milde macht ihn zum Metalgod. Die Formel ist ganz einfach: Ohne Ozzy kein Black Sabbath und ohne Black Sabbath kein Heavy Metal. Und selbst wenn der Metal eines Tages stirbt, dann kann man auf die alte Weisheit vertrauen: „Der Metal ist tot, es lebe der Metal“.







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