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  • The Woisler Columns Nr. 3: Westerwelle

    Von der Woisler

    Ich könnte ausflippen! Seit gestern scheint es sicher zu sein, dass Guido Westerwelle Außenminister der neuen Koalition wird. Dass das ein No-Go sei, da sind sich die meisten in meinem Umfeld einig, und ich denke, dass dies ein Grundkonsens abseits schwarz- gelber Parteibücher ist. Dabei geht meines Erachtens die Diskussion, warum dies ein No-Go ist, an dem entscheidenden Punkt vorbei. Klar sind seine peinliche Medienpräsenz als auch seine bisher zumindest medial zur Schau gestellte Unfähigkeit zu passablem Englisch wichtige Punkte, ihm die Fähigkeit zu diesem Amt abzusprechen.

    Ein dritter Punkt wird zwar diskutiert, ist aber so essentiell, dass er nicht oft genug erörtert werden kann: die Tatsache, dass wir einen Außenminister haben werden, der aufgrund seiner sexuellen Orientierung in über der Hälfte der Länder dieser Welt widerwillig oder gar nicht empfangen wird. Man verstehe mich nicht falsch: die Gleichberechtigung von Homosexuellen stellt in unserer Demokratie und Werteordnung eine große Errungenschaft dar, die es nicht zu missen gilt. Dennoch ist sie sogar bei uns faktisch noch nicht in allen gesellschaftlichen Bereichen angekommen; und dabei rede ich nicht nur von Gesellschaftsschichten mit Immigrationshintergrund, in denen so etwas ein Tabu ist.

    Auch in ländlichen Gebieten bedeutet ein Coming-Out als Schwuler bei uns immer noch einen Bruch mit dem traditionellen Elternhaus mit oftmals tiefem Schamgefühl der Eltern und den gesellschaftlichen Tod bezogen auf sein bisheriges Umfeld und somit den zwangsläufigen Bruch mit diesem Umfeld. Solche Leute müssen dann zumeist in eine Großstadt ziehen und sich ein neues Umfeld schaffen.
    Die Sicht der Kirche, speziell der katholischen, die in vielen ländlichen Gebieten, speziell im Süden, noch „wertestiftenden“ Einfluss hat, sei hier außen vor gelassen.
    Ein anderes Beispiel ist der Profi- Fußball und deren Anhängerschaft: der einzige bekannte Fall eines Profi- Fußballers, der sich zum Schwulsein bekannte, endete für den Bekennenden in Schmähungen und schließlich im Selbstmord.

    Die gesellschaftlich selbstverständliche Akzeptanz und Gleichstellung der Homosexuellen ist selbst bei uns nur in höheren Bildungsschichten in größeren Städten gegeben.
    In vielen muslimischen Ländern gilt es als unnatürlich und kommt offiziell gar nicht vor, bzw. je nach Radikalität des jeweiligen Systems werden die „Erwischten“ zum Tode verurteilt oder eingesperrt.
    Jeder muslimische Staat, der dann einen schwulen Außenminister empfinge, verlöre vor seinen Bürgern das Gesicht und die Daseinsberechtigung.
    Auch in vielen konservativ- christlichen Ländern beispielsweise in Südamerika aber auch in Russland werden selbst in den Städten Schwule attackiert; zumindest in Russland hört man jedoch, dass sich Homosexuelle trotz aller Widerstände langsam ihre Rechte sichern. Trotzdem hieß es angeblich in einer russischen Zeitung schon vor Wochen, der neue deutsche Außenminister habe „ein zweifelhaftes Privatleben“.

    Auch in den U.S.A. dürfte trotz der Vergangenheit der Regierung George W. Bush die religiöse Rechte und ein Großteil der Bevölkerung mobil machen gegen eine Regierung Barack Obama, die einen schwulen deutschen Außenminister empfängt. Überspitzt gesagt könnte der Empfang eines schwulen deutschen Außenministers die von uns allseits fast als heilsbringend empfundene Ära „Obama“ stürzen.

    Die europäische Arroganz, unsere Werteordnung in alle Teile der Welt zu exportieren, hat durch die Jahrhunderte hindurch in allen Teilen der Welt Trotzreaktionen ausgelöst und wurde vielfach als Fortsetzung von Kolonialisierungstendenzen mit anderen Mitteln gesehen.
    Wir müssen endlich mal begreifen, dass wir unser Wertesystem nicht als universell geltend ansehen können.
    Dabei hat die Akzeptanz der Homosexualität- wie vorhin schon dargelegt- noch nicht mal bei uns alle Gesellschaftsschichten durchdrungen. Dies mögen jene Staaten, die den Empfang Westerwelles verweigern, durchaus entgegen halten.

    Aber wir maßen uns täglich an, andere Gesellschaftsstrukturen zu kritisieren und argumentieren dabei mit der Keule der Toleranz, dabei sind wir in diesen Fällen einfach intolerant gegenüber anderen Gesellschaftsstrukturen, sei es die Tatsache, dass den Ostasiaten eher eine Kollektivmentalität als ein Bezug zum Individualismus innewohnt.
    Auch werden wir es nie verstehen oder auch gutheißen, dass Großteile der eher südlichen Hemisphäre nicht nur im muslimischen, sondern auch im hinduistischen aber auch christlichem Raum patriarchalisch geprägt sind.

    Wir müssen es nicht verstehen und können in unseren Grenzen auch versuchen, solche Tendenzen zu vermeiden, ein schwuler Innenminister oder Wirtschaftsminister Westerwelle wäre ein Statement. Jedem, der das kritisiert, können wir guten Gewissens entgegenhalten, dass ihn das nichts angeht und das es intolerant gegenüber unserer Gesellschaft sei.

    Ein schwuler Außenminister Guido Westerwelle kann in vielen Teilen der Welt nur als Provokation verstanden werden, als erneuter Versuch der arroganten Europäer, der restlichen Welt „unser“ Weltbild zu oktroyieren und wird Deutschland außenpolitisch ins Abseits manövrieren, das ist keine Frage. Jede andere Ansicht wäre hochgradig naiv!
    Doch selbst die Kritiker dieser doch recht absoluten These müssen zugeben, dass es zumindest von mangelndem diplomatischen Feingefühl zeugt, was die europäische Arroganz der amerikanischen Außenpolitik gern und oft unterstellt. Hier tobt aber ausnahmsweise einmal ein deutscher und kein amerikanischer Elefant im internationalen Porzellanladen.












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