Mitternacht in Gotham
Von Daniel Gilic
Man könnte meinen, dass dem bekanntesten und wohl auch klügsten Mitternachtsdetektiv der Welt de Geisterstunde nichts ausmachen würde. Doch weit gefehlt.
In der zwölfteiligen Serie „Gotham After Midnight“ sieht sich Batman mit einem neuen Widersacher konfrontiert, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, seinen Opfern das Herz aus der Brust zu reißen. Darüber hinaus verwickelt er noch Erzfeinde wie Scarecrow, Clayface oder den Joker in seinen finstren Plan mit ein. Menschen sterben, die Gegenspieler flüchten (zum wievielten Mal eigentlich?) aus der psychiatrischen Irrenanstalt Arkham, und auch mysteriöse Artefakte werden aus Museen entwendet. Doch was der neue Schurke wirklich im Schilde führt, bleibt vorerst noch ungeklärt.
Horror-Autor Steve Niles (30 Days Of Night, Bigfoot, Freaks Of The Heartland) hat eine düstere Geschichte entworfen, die mit Gruselelementen aufwartet und Batman von einer ungewohnt düsteren Seite zeigt. Anspielungen, nebulöse Hinweise und vage Indizien dominieren die Handlung, wobei der episodische Erzählfluss für zusätzliche Spannung sorgt.
Besonders liebevoll gestaltet sind die Konversationen in der Bathöhle mit Butler Alfred, die Niles dafür benutzt, um sich tiefer mit den Ängsten, Wünschen und Vorstellungen von Bruce Wayne zu beschäftigen. Dieser ist als Capeträger so weit von der Gesellschaft entfernt wie nur irgend möglich. Gleichzeitig gibt es den bekannten Balanceakt der Täuschung: Während Wayne nachts auf Ganovenjagd geht, inszeniert er sich tagsüber als charmanter und reißerischer Playboy. Diese seelische Disposition des Batman-Charakters kann Niles sehr gut für sich nutzen.
Kelley Jones, einer der umstrittensten Batman-Zeichner aller Zeiten, ist in der Lage, die Grauen erregende Stimmung perfekt in Szene zu setzen. Batman wirkt gefährlich, unnahbar und unheimlich. Sein Cape ist unendlich lang und die spitzen Ohren seiner Maske ragen weitaus höher in die Nacht als sonst. Wie ein gehetztes Tier lässt Jones seinen Helden aussehen. Er illustriert ihn als kompromisslosen Rächer der Nacht mit gespenstischer Miene und spitzen Handschuhen, die messerscharfen Krallen gleichen. Nur mit den Proportionen nimmt er es nicht sehr genau. Bei dieser Erzählung stört das aber keineswegs.
Wer auf der Suche nach einer durchtriebenen Old-School-Story mit dem dunklen Ritter ist, wird mit „DC Premium 61: Batman – Mitternacht in Gotham“ seine Freude haben. Eine von Anerkennung und Verehrung gegenüber dem Grusel-Genre geprägte Liebhaberarbeit. Der nachfolgende Band kann das pechschwarze und morbide Level hoffentlich halten – oder sogar überflügeln. Eine einfache und triviale Auflösung der Geschehnisse bleibt hoffentlich aus.
Panini Comics veröffentlicht die amerikanische Maxiserie in der Reihe DC Premium. Die ersten sechs Ausgaben erscheinen in Band 61, die letzten sechs Hefte folgen mit Band 62.
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