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  • The Police – Certifiable

    Von Frank Findeiss

    51-a2szbr4l_sl500_aa240Universal / A & M records VÖ: 14.11.2008

    Mit dem Comeback von The police im letzten Jahr 2007 wurde eigentlich jedes andere Comeback, sei es von Take that, den Spice girls oder wem auch immer in den Schatten gestellt. Das einzige, was auch im Falle von The police verwundert, ist, dass es immer häufiger vorkommt, dass Bands sich wieder zusammenfinden, um endgültige Abschiedstourneen zu veranstalten. Das ist so, als würde ich meine Ex-Freundin heiraten, um mich scheiden zu lassen. Gerade bei The police ist dies unverständlich und kann insofern nur als Mittel gesehen werden, um die Haushaltskasse der einzelnen Bandmitglieder wieder aufzufüllen. Die Tatsache, dass es keine neue Platte gab oder überhaupt irgendwie neues oder bislang unveröffentlichtes Songmaterial vorgestellt wurde, unterstützt diese These. Allerdings muss man neidlos anerkennen, dass die percussive Energie der Stücke aus einem Mix aus Funk, Jazz, Ska, Raggae, allgemein bekannt als New Wave, nichts an Frische verloren hat, eigentlich sogar eher im Gegenteil. Hört man sich alte Live-Aufnahmen von The police an, klingen die Stücke dort nicht so geschlossen und verlieren sich oftmals in sphärischen Klängen, die zudem getragen gespielt werden.

    Nicht so auf der jetzt erschienenen CD einschließlich DVD „Certifiable“ (desweiteren in den beiden Ausgaben „Deluxe-Edition“ mit zusätzlicher Dokumentation als DVD und einer weiteren CD, wie auch als Blue-ray Disc plus Doppel-CD erhältlich). Es ist ein Genuss zu hören, was moderne Technik aus Songs rausholen kann, die zwischen 25 und 30 Jahren als sind. Zudem besteht The police aus drei renommierten Musikern, die das handwerkliche Geschick mitbringen, ihre eigenen Songs zeitgemäß vorzutragen, was sie von zuvor genannten Gruppen wie Take That oder den Spice girls insofern unterscheidet, als diese hauptsächlich eine optische Show durch Tanzeinlagen bieten, während The police komplett auf Show-Elemente verzichtet. Lediglich das langsame Sliden über den Basshals zu Beginn des Konzerts durch Sting, das mit einem Urschrei und einem Schlag auf einen Riesen-Gong durch Stewart Copeland abrupt beendet wird, leitet das ansonsten im Hinblick auf eine Show sehr reduktionistisch und puritanisch gehaltene Konzert ein. Mit leicht abgewandelten Songparts, sparsam neu arrangierten Elementen und diversen Klangspielchen, wie auch der gesamten, ausgenutzten Bandbreite an Schlaginstrumenten durch Copeland, seien es Pauken, Cymbals oder Glockenspiel, geben die drei Musiker Ihren Songs ein neues Gewand mit einem individuellen Schliff. Es wäre müßig, die Songs alle aufzuzählen, man kennt sie bereits oder eben nicht und wer sie nicht kennt, dem ist auch nicht zu helfen.

    Wie sich Andy Summers Gitarre und Stings Bass gegenseitig umgarnen und auch nach den ausschweifendsten Exkursen in Soloorgien immer wieder der Einsatz in die ursprüngliche Songstruktur gefunden wird, sucht seinesgleichen. Es ist einfach ein wahnsinnig lässiger Groove der die Songs durchzieht. Dabei sind sich die drei Musiker selbst immer eine Synkope voraus und behalten dennoch den Grundbeat bei, da Stewart Copeland wie ein Uhrwerk arbeitet und dies gekonnt akzentuiert in seiner Rolle als Meister der Hi-Hat und Splash-Becken andauernd bestätigt. Es ist ein relaxter Flow, der zeigt, wie sehr die Band ihre Songs schon internalisiert und insofern eine überlegene Distanz zum eigenen Werk erreicht hat, so dass man ihr anmerkt, dass sie ihre eigenen Songs beim Spielen genießt. Dazu war es von Nöten, wie man auf der der Deluxe-Edition beiliegenden DVD unter dem Titel „Better than therapy“ erfährt, sich für viele Monate erst einmal einzuschließen und wie jede andere Garagenband auch zu proben. Hierbei kamen alte Verhaltensmuster wieder zum Vorschein, die ursprünglich zur Trennung führten, jedoch mit der heutigen Distanz und Altersweisheit überspielt werden.

    Erfrischend offenherzig ließ die Band beim Prozess im Rahmen der Proben zur Welttournee, begleitet von Einzelinterviews, Einblicke in die private Atmosphäre gewähren. Es ist auch gerade diese DVD, die deutlich macht, was für ein Hype sich von dem Augenblick aus über die Welt verbreitete, als The police im Februar 2007 durch eine mit einem Liveauftritt im berühmt-berüchtigten Whiskey a go-go musikalisch untermalte bzw. einberaumte Pressekonferenz ihr Comeback bekannt gab.

    Man wird ständiger Begleiter ab dem ersten Gig nach 25 Jahren Bühnenabstinenz in Vancouver über den Auftritt als Headliner beim von Al Gore inszenierten Umweltspektakel Live Earth bis hin zu Auftritten in ihrem Heimatkontinent Europa und erfährt dabei auch, dass Fiction plane, die Band von Stings Sohn Joe Sumner regelmäßig als Vorgruppe bei der Tournee diente. Schade nur, dass die CD bzw. Doppel-CD und die DVD mit dem Anfang Dezember 2007 in Buenos Aires aufgeführten Spektakel, lediglich ein einziges vollständiges Konzert darbietet und man somit nicht die Chance genutzt hat, die Stimmung unterschiedlicher Konzerte der auf allen fünf Kontinenten durchgeführten Welttournee einzufangen. Lediglich das Megapaket Doppel-CD und Doppel-DVD bietet da mit der bereits genannten Doku „Better than therapy“ zumindest einen Eindruck von weiteren Gigs.

    Fakt ist, dass The police zwar ausschließlich und durchaus bewusst ihre alten Songs spielen, dabei jedoch ihre Qualität als eine der erfolgreichsten Bands der Welt nicht eingebüßt, sondern vielmehr gefestigt und somit ihren Status als Monument im Rockbusiness ausgebaut haben.

    Wertung: ★★★★☆












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