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  • The Fratellis – Here We Stand

    Von Christian Schmitz-Linnartz

    fratellisIsland / Universal Music VÖ 09.06.2008

    Am Anfang hat „Here we stand“ gar nicht gewuppt wie der Vorgänger „Costello Music“, vielleicht, weil das Promoexemplar nicht abgemischt oder gemastert war, oder auch, weil die gemeine Musikjournaille nach Songs von „Henrietta“ über die Chelsea Dagger bis hin zu „Ole black ’n’ blue eyes“ eine gewisse Erwartungshaltung hat. Aber schon beim zweiten Mal Anhören entwickelt „Here we stand“ einen schier unwiderstehlichen Charme, und dies selbst in diesem „Rohzustand“. Wie Jon in dem auch auf Bumbanet zu lesendem Kurzinterview mitteilte, ging man ins Studio, um neue Songs zu machen, die man live spielen kann, ohne sich vom Druck und ohne sich von „Costello Music“ und dessen Erfolg beeinflussen zu lassen. Das glaubt man ihm, na ja, vielleicht nicht ganz, denn auf „Here we stand“ sind nicht so viele klassische Hochtempo- Mitgröler vorhanden, das Album ist ein wenig erwachsener, aber nur vom „Fratellis“- Kosmos aus betrachtet, auch das Klavier fällt auf als neues „Stilmittel“. Andererseits haben die Songs nicht so einen Spannungsaufbau wie auf dem Vorgänger mit Strophe, Pre-Chorus und dem Refrain erst nach gefühlten drei Minuten (nennen wir es „Orgasmusherauszögerung“), was „Costello Music“ subjektiv gesehen auch musiktheoretisch sehr auszeichnete. Ewige Kritiker, die auch diesen Aspekt immer außer acht ließen, mögen wieder wettern, wie offensichtlich man der Hure Pop huldigte und auch jetzt wieder huldigt, aber genau deshalb mag der Rest der Welt die Jungs, bedeutungsschwangere und frickelnde Bands gibt es genug.

    Einzelne Tracks mögen laut Band-Homepage von „The Who“ („A heady tale“) oder vom Glam Rock („Acid jazz singer“) beeinflusst sein, in meinen Augen haben wir hier die legitimen musikalischen (wenn auch schottischen) Kinder des dritten Jahrtausends von Herren wie McCartney, Lennon und Harrisson in ihren besten Launen oder auch Mercury, May, Deacon und Taylor in jungen Jahren, an Queen denkt man hauptsächlich bei „Milk and honey“, nicht nur aufgrund des Klaviers.

    Wer die Musik des Fratellis nicht mag oder auch sie selbst, sofern er sie einmal in einem Interview oder auf der Bühne gesehen hat, hat in meinen Augen ein Problem mit sich selbst, so, Punkt, Ende!
    Ach, eins noch zur Verdeutlichung: den halben Stern Abzug gibt es für die meines Erachtens etwas anstrengende leiernde Single „Mistress Mable“, ansonsten Sommer, Feiern, Bier, Grillen, Verliebt sein, da ist es einem scheißegal, dass die Platte im winterlichen, verregneten Glasgow aufgenommen wurde… oder vielleicht klingt sie gerade deshalb so?

    Wertung: ★★★★½


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