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  • Jan Plewka singt Rio Reiser – Ein Hauch Ton, Steine, Scherben im Brückforum Bonn

    Von Frank Findeiss

    11. April 2008. Ein bestuhltes Konzert hat immer etwas Distanziertes und erinnert eher an Theateratmosphäre. Im Falle von Jan Plewka (Sänger der bereits seit fast zehn Jahren nicht mehr existierenden Band Selig) feat. Rio Reiser hat dies Kalkül, da es sich hier in gewissem Sinne auch nicht um ein Rockkonzert der herkömmlichen Art handelt, sondern vielmehr um ein Schauspiel mit sehr wohl theatralischen Einlagen. Zunächst einmal fällt es einem wie Schuppen von den Augen, wenn man unverhofft das Plakat sieht „Jan Plewka (Ex-Selig) singt Rio Reiser“, denn genau: es mag wohl kaum einen anderen deutschsprachigen Sänger geben, der der Stimme des 1996 ganz plötzlich verstorbenen Berliner Künstlers und Frontmanns der Gruppe Ton, Steine, Scherben näher kommt, ja es handelt sich bei Plewka’s Stimme vermutlich um die einzig ernstzunehmende Kopie des Originals. Dem wird er jedoch zu Beginn nicht ganz gerecht.

    Nachdem, wie im Kino, das Licht gedimmt wird, ertönt – offensichtlich von Band – die von Plewka gesungene A-capella-Version von „Stiller Raum“. Kurz darauf erscheint er im Rücken der Zuschauer im komplett abgedunkelten Saal nur mit einer Gitarre beladen und begleitet sich damit selbst, während er auf die Bühne zugeht. Ein leichtes Raunen ist zu vernehmen, als die Töne doch etwas stark von den dazu gespielten Akkorden abzuweichen scheinen, aber im Laufe des Konzertes wird sich alles auch durch die teils kabarettistischen Spielereien einlenken. Beim zweiten Stück „Mein Name ist Mensch“ nimmt Plewka den instrumentalen Zwischenpart als Einladung, sich auf der zentral auf der Bühne befindenden roten Couch niederzulegen, was angesichts seines verwirrt dargebotenen Habitus unweigerlich freudsche Assoziationen hervorruft. In dem Song „Irrenanstalt“ gipfelt diese Darbietung darin, dass er von der Bühne verschwindet, plötzlich an der Seite erscheint und vor der Bühne einen 50 Meter-Sprint hinlegt, um dann hinter der Notausgangstür zu verschwinden. Die Band spielt ihr Ding weiter und nach fünf Minuten erscheint er wieder und läuft die Strecke zurück.

    In jedem Stück gibt es eine Überraschung. Beim Rauch-Haus-Song wird mit einer entsprechenden Lichtquelle und Straßenmusikantenattitüde mit Akkordeon, Löffeln als Rhythmusgeräten, Gesang ohne Mikro eine Lageratmosphäre hergestellt, die durch die Tatsache, dass man sich am Bühnenrand dazu im Halbkreis gemeinsam hinsetzt, verstärkt wird. Diese Straßenmusikeratmosphäre wird im nächsten Song beibehalten, als die Truppe gemeinsam von der Bühne und mit einem Hut bewaffnet durch einige Stuhlreihen geht, um tatsächlich den ein oder anderen Cent bzw. Euro zusätzlich abzugreifen. Das im Original durch eine auf dem Keyboard mit einer stakkatomäßig unterlegten Harmonie gespielte „Zauberland“ wird hier live durch eine Harmonika ersetzt, die sich der Drummer geschnappt hat. Wie bei einem Staffellauf übernimmt Plewka das Instrument und behält dabei den Rhythmus bei, geht ins Publikum und sucht sich offensichtlich spontan eine Besucherin aus, bei der er sich auf den Schoß setzt. Sie lässt sich drauf ein und übernimmt die Harmonika ihrerseits. Das Spiel wird dann umgekehrt wiederholt bis zum Ausgangspunkt, dem Drummer.


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