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  • Mort – Das Musical

    Von Louisa Knobloch

    Tod_mit_Sanduhren.JPGTerry Pratchett ist Kult. Die Scheibenweltromane des englischen Autors haben längst ein Millionenpublikum gefunden und im letzten Jahr gab’s auf der Insel pünktlich zu Weihnachten mit „Hogfather“ die erste TV-Realverfilmung.

    Die nächste Premiere geht aber auf’s Konto einer Hamburger Theatergruppe um Matthias Weiher (Musik) und Sabine Schindler (Libretto): „Mort“ ist die erste deutschsprachige Musicaladaption des gleichnamigen Buches (dt. „Gevatter Tod“) von Pratchett. Die Weltpremiere findet am Samstag, den 15.12.2007 in den Hamburger Markthallen statt. Etwa 170 Pratchett-Fans und Neugierige haben den Weg gefunden, die Reihen sind gut gefüllt. Das Bühnenbild ist schlicht, aber effektiv: schwarze Wände mit weißen Säulengängen repräsentieren Tods Reich, eine Tür in der mittleren Wand wird durch einen stilisierten weißen Totenschädel getarnt.

    Tod, mit seinem lakonischen Humor eine der witzigsten Figuren der Scheibenwelt-Romane, ist denn auch eine der Hauptpersonen des Stücks. Michael Bideller gibt ihn absolut überzeugend, auch wenn die Stimme der im Buch nur in Großbuchstaben sprechenden Figur gern noch etwas tiefer hätte ausfallen können. Titelheld ist jedoch Mortimer – kurz: Mort –, ein etwas ungelenker junger Mann mit dem Herzen am rechten Fleck. Er findet keine Lehrstelle bis eines Nachts ausgerechnet Tod ihm eine anbietet – allerdings nicht ganz ohne Hintergedanken, denn außer seinem alten Diener und Freund Albert (Ulf-Karsten Schmidt) lebt in seinem zeitlosen, düsteren Reich noch Ysabell (Astrid Köhler), Tods Adoptivtochter! Die ist jetzt schon seit 700 Jahren 17 Jahre alt und hat das ewige Teenager-Dasein gründlich satt. Da käme gleichaltrige Gesellschaft gerade recht. Nur, dass Mort und Ysabell sich auf den Tod nicht ausstehen können. Während Tod dank seines Azubis den ersten freien Abend seit 1000 Jahren genießt, stiftet Mort gleich an seinem ersten Arbeitstag gründlich Unheil: Er holt statt der hübschen, aber arroganten Prinzessin Keli (Henrike Krügener) den Attentäter, der sie ins Jenseits befördern sollte und bringt damit das Schicksal durcheinander…

    F_Albert_und_Mort.JPG

    Tim Kreuer (Mort) erweist sich wie Regisseurin Sabine Schindler treffend bemerkt als „echter Glücksgriff“. Der junge Musicaldarsteller mit Lockenschopf und schmalem Gesicht verleiht seiner Figur Charme und Glaubwürdigkeit. Ein hübscher Gag des Kostümdesigns (Daniela Pusch) sind die Totenkopfsocken, die er zu Wams, Pumphosen und Schnallenschuhen trägt. Das Team beweist, dass man keinen großen Zirkus machen muss, um ein Musical auf die Beine zu stellen: Zehn Schauspieler (einige davon in bis zu sechs Rollen), acht Musiker, wandlungsfähige Kulissen und Requisiten sowie eine Menge Herzblut genügen vollauf. So wird z.B. der Leierkastenwagen der beiden Erzähler in den einzelnen Szenen mal zu Tods Schreibtisch, zur Kneipentheke oder zum Bett der Prinzessin umfunktioniert. Und manchmal dient er auch einem Schauspieler als Versteck, um liebevoll gebastelte Flaschen oder eine Maus (im doppelten Sinne!) zum Leben zu erwecken. Den sprechenden Türklopfer gab es schon in der Vorlage, aber Mort – Das Musical wartet durchaus mit einigen eigenen Gags auf, so einem Pizzastück mit Augen und dem Chor der Schnapsflaschen, was nicht nur bei den jüngeren Zuschauern gut ankommt. Anspielungen auf Klaus und Klaus oder Udo Jürgens werden mit ebenfalls Gelächter quittiert.

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    Die Songs für das Musical aus der Feder von Matthias Weiher machen durchweg Spaß, auch wenn nur ein paar davon wirklich ins Ohr gehen wie der Opener oder das Hass-Duett von Mort und Ysabell. Kleinere Ton- und Mikrofonprobleme nimmt das Publikum nicht übel und so gibt es am Ende minutenlangen Applaus und sogar einzelne Zugabe-Rufe. Die Regisseurin ist zufrieden mit dem ersten Abend, die Zukunft der Produktion ist aber noch ungewiss: „Wenn es gut läuft, nehmen wir es wieder auf, wenn nicht, lassen wir es bei den zwölf Aufführungen.“ Bleibt zu hoffen, dass das Stück viele Zuschauer findet und vielleicht sogar auf Tournee geht. Vorerst ist „Mort“ jedenfalls nur in Hamburg zu sehen, die nächsten Aufführungen sind im Januar (03.01.-05.01. und 15.01.-17.01.). Und wer weiß, vielleicht sitzt dann ja auch Terry Pratchett persönlich im Publikum. Eingeladen war er schon heute Abend, aber Gerüchten zufolge zieht der Autor es vor, sich heimlich unter die Leute zu mischen. Na, wenn das nicht ein zusätzlicher Grund für einen Musicalbesuch in Hamburg ist…

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